Das Vakuum mit Verständigung füllen

Interview mit Brose Bamberg Geschäftsführer Rolf Beyer zum herausfordernden Terminplan 2017/18

Die Saison 2016/17 war für Brose Bamberg die anstrengendste aller Zeiten. 2017/18 wird nicht einfacher, im Gegenteil: Es kommen neue Herausforderungen hinzu. Ist da noch Spaß und Freude angesagt – oder ist es mehr die Planung des puren Überlebenskampfes?

Rolf Beyer (mit dem Anflug eines entspannten Lachens): „Wer im Sport-Business unterwegs ist, braucht Enthusiasmus. Natürlich nehmen wir die Herausforderung an. Aus den zum Teil auch schmerzhaften Erfahrungen der Saison 2016/17 haben wir einiges gelernt, das betrifft sowohl die Regeneration, aber auch den Personaleinsatz. Unser Kader lässt sich noch besser einteilen und mit den BBL- und Euroleague-Terminplänen matchen. Mitunter gibt es noch Terminkollisionen, wo Spiele an Folgetagen, also innerhalb von 24h geplant wären. Das geht nicht und das müssen wir lösen. Dann geht der Überlebenskampf in Vorfreude auf die hochklassigen Spiele über.“    

 

Eine Kostprobe gibt es gleich zum Start in die Euroleague am 12. Oktober. Nach dem Auftakt gegen Tel Aviv folgen zwei BBL-Bundesligaspieltage am 13. und 15. Oktober. Wohin verschieben? Die folgenden Wochen sind ebenfalls prall gefüllt.

Rolf Beyer: „Das ist ein sehr ambitionierter Spielplan, der zwischen Euroleague und den nationalen Ligen nicht abgestimmt ist. In der Euroleague haben wir eine Möglichkeit für eine Spielverlegung frei. Mit der BBL befinden wir uns in intensiven Abstimmungsrunden und werden in den nächsten  Tagen die Planung weitestgehend abgeschlossen haben. Philipp Göß, der als Spieltags-Verantwortlicher einer der Hauptbetroffenen ist, hat einen engagierten und erfolgreichen Job gemacht. Die hohe Frequenz der Spiele ist nicht zu vermeiden, aber zumindest die nationale und internationale Parallelität.“

 

Speziell die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel lassen das Herz der Terminplaner offensichtlich höherschlagen. Zehn Spiele (je fünf BBL und Euroleague) sind zwischen dem 14. Dezember und 5. Januar geplant. Ist das noch zu leisten und zu verantworten?

Rolf Beyer: „Wir kennen das und haben es nicht anders erwartet. Von Spielern und Organisation ist bis April viel zu leisten, bereits im Mai starten die Playoffs wieder. Es gibt nur wenige Zeitfenster zum Durchatmen. Der Spielplan lässt keine Verschiebungen zu. Er stellt sich gewissermaßen von selbst auf. Wir müssen mit kluger Reise-Logistik und Team-Management dafür sorgen, dass Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Spieler nicht auf der Strecke bleiben. Wenn die BBL auch zukünftig Clubs in der Euroleague platzieren möchte, wird sie nicht umhin kommen, die Größe der Liga ernsthaft auf den Prüfstand zu stellen. Ich setze mich seit Jahren dafür ein, dass die Anzahl der Mannschaften reduziert wird, um diesem Aspekt Rechnung zu tragen.

 

Zwei Zeitfenster für WM-Qualifikationsspiele der Nationalmannschaften sind neu in dieser Saison. Das belastet den Terminplan zusätzlich und enthält reichlich sportpolitischen Sprengstoff. Was bedeutet das für Brose Bamberg?

Rolf Beyer: „Ich möchte betonen, dass wir als Club höchstes Interesse zur Spielerabstellung an die Nationalmannschaften haben. Wir haben sieben potentielle Nationalspieler aus den fünf Nationen Deutschland, Italien, Kroatien, Serbien und Slowenien im Team. Wenn allerdings parallel Spiele in der Euroleague und der Nationalmannschaft stattfinden, wird das nicht funktionieren. Dann ist kein Spielbetrieb mehr möglich.“

 

Wie geht Brose Bamberg mit dieser Situation konkret um?

Rolf Beyer: „Wir haben dazu eine feste Position. Wir sehen dies ganz klar aus dem sportlichen und damit wirtschaftlichen Blickwinkel von Brose Bamberg. Das hat Priorität. Unter den aktuellen Bedingungen könnten wir keine Spieler abstellen. Wir müssen mit der BBL und den Verbänden sprechen und unsere Position rechtlich prüfen.“

 

Besteht Hoffnung, dass sich Euroleague, FIBA und nationale Verbände an einen Tisch setzen, damit die Situation nicht weiter eskaliert? Denn auf Dauer werden Clubs und Spieler die Beanspruchung nicht aushalten.

Rolf Beyer: „Das wird zur Zeit alles auf dem Rücken der Spieler und Vereine ausgetragen. In dem bestehenden Vakuum zwischen FIBA, den nationalen Verbänden und der Euroleague scheint das Problem aktuell nicht lösbar. Meine Forderung ist, dass sich alle Beteiligten vor November an einen Tisch setzen und die Situation lösen. Ich erwarte auch von Seiten des DBB und der Liga, dass sie die Interessen der einzigen deutschen Mannschaft, die in der Euroleague spielt, vertreten. Es ist ein Ärgernis, dass es bislang zu keiner Verständigung gekommen ist, dass jeder auf seiner Position verharrt.“   

 

Zurück zur Basis, den Fans. Die sind inzwischen auch stark gefordert. Wie läuft der Verkauf der Dauerkarten? Wie viele Tickets will Brose Bamberg verkaufen?

Rolf Beyer: „Wir sind stolz darauf, wie der Ticket-Absatz in der zurückliegenden Saison lief. Die Halle war immer ausverkauft, auch wenn nicht jeder Platz besetzt war. Die Fans selektieren teilweise, schaffen es auch nicht immer, die Karte weiterzugeben. Wir werden Dauerkarten in ähnlicher Größenordnung wie in der vergangenen Saison verkaufen. 75 bis 80% der Käufer präferieren das Super-Ticket BBL inklusive Euroleague. Planungssicherheit durch hohen Dauerkartenanteil und Flexibilität für Tageskarten-Interessenten wollen wir unter einen Hut bringen. Außerdem müssen wir den Trugschluss ausräumen, dass es in Bamberg gar keine Tickets gibt. Eine gewisse Flexibilisierung ist gut. Wir wollen in den kommenden Jahren ja auch noch mehr Fans aus der Metropolregion gewinnen. Wir werden ab kommender Saison ein gewisses Kontingent nur für Fans aus dem Nürnberger Raum zur Verfügung stellen.“

 

Zum Abschluss: Welche Wünsche hat der Geschäftsführer für sich, seine Organisation und die Fans für die kommende Saison?

Rolf Beyer: „Das sind gleich drei Wünsche. Erstens: Der Tritt auf die Euphorie-Bremse: Die Vergangenheit mit drei fantastischen, erfolgreichen Jahren hat uns verwöhnt. Wir dürfen die Ansprüche nicht automatisch noch weiter nach oben schrauben. Zweitens: Die Herausforderung, ein neues Team mit gestandenen Persönlichkeiten nicht nur aufzubauen, sondern möglichst früh ans Optimum zu führen. Ich bin mir sicher, dass dies unserem Head Coach Andrea Trinchieri gemeinsam mit seinem Staff bestens gelingen wird. Drittens: Die Bewältigung unserer Großprojekte Erschließung der Metropolregion, Erschließung weiterer internationaler Märkte, neue Arena und die Optimierung von Hospitality und Catering in der BROSE ARENA mit einer Organisation, die so engagiert wie in der vergangenen Saison arbeitet. Daran glaube ich und schaue deshalb optimistisch nach vorn.“ 

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