Erfolgsformel: Routine, Hunger und Talent

Für Brose Bamberg Geschäftsführer Rolf Beyer steht die Saison 2017/18 unter ganz besonderen Vorzeichen und zahlreichen Herausforderungen. Der deutsche Meister bekam den Fluch des Erfolges zu spüren.

Spieler, die im Schaufenster Euroleague eine gute Figur abgaben, erhielten Top-Verträge von Vereinen, deren Geldtöpfe üppiger gefüllt sind als das Budget des neunfachen deutschen Titelträgers. Die Lücken der namhaften Abgänge zu NBA-Clubs und europäischen Top-Adressen sollen durch Routiniers, hungrige Kräfte mit Potential und Talenten aus den eigenen Reihen geschlossen werden.  

Einen Schritt zurück befürchtet Rolf Beyer trotzdem nicht. Er ist überzeugt, mit dem runderneuerten Team international zumindest so gut wie in der vergangenen Saison abzuschneiden, vielleicht sogar einen Tick erfolgreicher: „Unsere routinierten Neuzugänge können in der einen oder anderen engen Partie die Waage zu unseren Gunsten  ausschlagen lassen.“  

In der BBL will Brose ein weiteres Erfolgskapitel schreiben und den Titel verteidigen. Natürlich ist dies kein Selbstläufer: „Speziell zum Saisonstart wird die Team-Mechanik noch nicht reibungslos funktionieren. Harmonie und perfektes Pass-Spiel benötigen Zeit. Die haben wir mit der kompletten Mannschaft erst ab Mitte September, wenn alle Nationalspieler an Bord sind“, bittet Rolf Beyer um Verständnis für eine eventuell etwas unrhythmische Anfangsphase: „Aber wir müssen auch nicht jedes Spiel in der BBL mit 30 Punkten Unterschied gewinnen!“

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison ist für den Geschäftsführer ein smartes Zeitmanagement mit dossiertem Einsatz der Ressourcen: „Der Coach muss Vertrauen in die jungen Spieler haben und mutige Entscheidungen treffen. Nur so erhalten die Veteranen in der BBL hin und wieder die notwendige Atempause.“

Das Team 2017/18 mit sechs neuen Gesichtern steht. Andrea Trinchieris Aufgebot lässt sich in drei Gruppen unterteilen: Routiniers, hungrige Spieler vor dem nächsten Schritt sowie Jugend und Erfahrung mit deutschem Pass.

Die Routiniers

Nikos Zisis (33) steht vor seiner dritten Bamberger Saison. Seine Einsatzzeiten sollten wie ein erstklassiger Wein für die besonderen Momente ausgewählt werden. Für kluge Entscheidungen in wichtigen Situationen benötigt der Team-Leader körperliche Frische. Deshalb darf er in der BBL-Hauptrunde nicht übermäßig strapaziert werden.

Andrea Trinchieris Konzept baut auf starke Guards. Die Neuzugänge Daniel Hackett (29) und Ricky Hickmann (31) haben ihre Klasse in der Euroleague bei europäischen Topclubs  unter Beweis gestellt. Hackett ist besonders in der Defense eine Macht, Hickmann regelmäßig für Punktzahlen im zweistelligen Bereich gut. Feuerkraft bringt Bryce Taylor (30) mit, der dritte erfahrenen Neuzugang. Der Shooting Guard hat auf seinen bisherigen BBL-Stationen in München, Berlin, Bonn und bei den Artland Dragons mit Treffsicherheit und Athletik überzeugt. Außerdem wird er sich wahrscheinlich im Laufe der Saison in die Gruppe der Spieler mit deutschem Pass einreihen.

Die Hungrigen vor dem nächsten Schritt

Luka Mitrovic (24), bisher Kapitän beim serbischen Euroleague-Club Roter Stern Belgrad, wird eine ähnliche Entwicklung wie Nicolò Melli zugetraut, den er auf der Power Forward Position beerben soll. Er darf und soll auch Punkte sammeln, nicht nur seine Stärke rund um den Korb ausspielen. Das Ziel: Der Reifeprozess zum kompletten Spieler auf der nächsten Ebene. 

Miller für Miller. Auf Darius folgt der 24-jährige Quincy, ebenfalls mit NBA-Erfahrung und erfolgreicher Scorer. In Belgrad hat er dies in der Euroleague eindrucksvoll unter Beweis gestellt, in Tel Aviv hinderte ihn eine Verletzung daran. Bei Brose Bamberg hofft Quincy Miller, dass ihn „Chef-Entwickler“ Trinchieri im Basketball-Fahrstuhl eine Etage nach oben bringt. 

Das wird in dieser Saison auch von Aleksey Nikolic (22) erwartet, der mehr Verantwortung übernehmen soll.

Augustine Rubit (28) war in Ulm nicht der Spieler mit dem größten Promi-Bonus, aber auf dem Parkett einer der wertvollsten Akteure des Hauptrundenersten: stark im Rebound und im Abschluss. Diese Qualitäten sollen Bamberg helfen und hier weiterentwickelt werden.

Jugend und Erfahrung mit deutschem Pass

Leon Radosevic (27) erhält noch vor dem Start in die neue Saison seinen deutschen Pass und bildet zusammen mit Elias Harris (28) ein erfahrenes, bewegliches Center Duo, das sich nicht nur unter dem Korb in Szene zu setzen weiß. Von Kapitän Harris wird erwartet, dass er in dieser Saison über die Rolle des emotionalen Leaders hinaus auch seine Energie und Erfahrung einbringen kann. Dazu muss er möglichst frei von Verletzungen bleiben.

Maodo Lô (24) hat das Potential, in dieser Spielzeit nicht nur punktuell eine wichtige Rolle zu spielen. Der erstklassige Distanzschütze kann selbst seinen Wurf kreieren und dynamisch zum Korb ziehen. Eine Steigerung in der Defense und im Aufbauspiel bringt den Guard auf Top-Niveau.

Das möchte Patrick Heckmann (25) wieder erreichen. Nach einer starken ersten Saison stagnierte die Entwicklung 2016/17. Der Forward hat das Potential und den Anspruch eine bedeutende und erfolgreiche Rolle im Team zu spielen. 

Lucca Staiger (29) ist der Mann für die wichtigen Momente. Er kommt ins Spiel und trifft häufig sofort. Eine Rolle, die besonders in kritischen Situationen wertvoll ist.

Youngster Louis Olinde (19) hat ein klares Ziel: mehr Minuten als in der vergangenen Saison sowie internationale Erfahrung sammeln. Dieses Ziel hat auch Malik Müller, der kommende Saison erstmals ausschließlich im Profikader zu finden sein wird.

Erfahrung pur

Gekrönt und abgerundet wird der Kader durch die Verpflichtung des neuen Sportdirektors Ginas Rutkauskas. Der Litauer verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in Basketball-Spitzenpositionen bei den Top-Clubs Zalgiris Kaunas und Dinamo Moscow. Ab 1. September wird er seine Kompetenz in die Entwicklung des Teams und die Steuerung der Nachwuchsarbeit einbringen.

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