"Ich gebe den Fans einfach, was sie sehen wollen."

Tyrese Rice im Interview mit der Basketball Champions League

Tyrese, Glückwunsch zum Einzug ins Viertelfinale. Und zur Auszeichnung des MVP der Runde der letzten 16.

Vielen Dank. Der Sieg ist das wichtigste, doch die Auszeichnung weiß ich zu schätzen und freue mich, der MVP der Runde der letzten 16 zu sein.

Banvit war ein schwerer Gegner. Vor allem vor eigener Kulisse.

Wir wussten, dass es schwer werden würde, vor allem auswärts. Dort zu spielen ist nicht leicht. Ich kenne die Halle noch aus meiner Zeit bei Khimki.

Sie hatten einen freundlichen Austausch mit den Fans von Banvit. Trotz der Rivalität schien Respekt und Anerkennung da zu sein. 

Sie wissen, dass ich sie sehe. Sie interagierten vor dem Spiel, buhten uns während der Partie aus und ab und an gab es einen verbalen Austausch. Doch am Ende geht es immer um Respekt und niemand möchte dem anderen etwas Böses.

Nach einem bestimmten Dreier hatten Sie eine Geste für die Zuschauer parat.

(Lacht) Ja, ich sagte ihnen nur, dass sie sich beruhigen können. Alle nehmen es in den Momenten sehr ernst, doch es ist nur Basketball. Ich mache das schon mein ganzes Leben und kein Moment fühlt sich größer an, als ein anderer. Es geht nur darum, das Erlernte und ständig Trainierte im Spiel umzusetzen, egal in welcher Situation.

Spielen Sie lieber auswärts vor gegnerischen Fans? Wenn es schwieriger ist? Sind diese Siege kostbarer? 

Oh ja, auf jeden Fall. Das ist eines der besten Gefühle. Auswärts zu spielen, zu siegen und dann die Fans zu sehen, die mit einer völlig anderen Miene die Halle verlassen. Aber so ist es für fast jeden, der Sport ausübt.

Was waren Ihre besten Auswärtssiege?  

Das ist eine gute Frage. Als ich für Maccabi spielte und bei Hapoel Tel Aviv gewann? Die Rivalität ist so groß. Wie Panathinaikos gegen Olympiacos. Maccabi ist in neun von zehn Spielen das bessere Team, trotzdem passiert immer etwas verrücktes und die Spiele sind umkämpft.

Wie sind die Zuschauer bei AEK, wo sie als nächstes spielen werden und schon mal hingereist sind?

Oh ja, da wird es laut sein. 8.000 bis 10.000 Menschen werden mit Sicherheit da sein.

Nach zwei Spielen – welches Team besitzt den Vorteil? 

Ich glaube keines. Wir kennen uns und am Ende kommt es darauf an, wer es mehr will. Es geht nicht so sehr um die X's-and-O's.

Viele Leute sagen, dass Sie den Eintritt wert wären, wie ein Showman. Ist das über Ihre Karriere hinweg so? 

Ich gebe den Fans einfach, was sie sehen wollen. Ehrlicherweise spiele ich, wie ich immer gespielt habe. Ich habe mich seit elf, zwölf Jahren nicht verändert.

Sie spielten in der ACC am College. Wie bereitete Sie das auf das Profigeschäft vor? 

Ich denke, dass all die vielen Spiele in der High School und schon davor mich darauf vorbereitet haben. In einigen Hallen konnten die Zuschauer nur stehen, manchmal direkt an der Grundlinie. Nirgends gab es Sitzplätze. Wer als junger Spieler dort spielt, ist vorbereitet. Es war somit einfacher für mich, da ich die Atmosphäre von klein auf kenne. Und im College kamen dann spielen gegen UNC und Duke dazu. Vor 20.000 Zuschauern. Das härtet ab.

Wer Ihnen zuhört merkt, dass Ihr Beruf ein Segen ist. 

Auf jeden Fall. Ich will es gar nicht anders haben. Darauf habe ich mein ganzes Leben hingearbeitet. Mein Handwerk perfektioniert, um diese Momente zu erleben und in ihnen Leistung zu bringen.

Als Sie aufwuchsen, schauten Sie wohl eher die NBA, statt europäische Spiele. Was war die größte Herausforderung, doch nach Europa zu gehen?  

Ich wusste nichts über den europäischen Basketball und mein erstes Jahr in Griechenland war wohl das schwerste. Es gab finanzielle Schwierigkeiten, was mich meine Entscheidung hinterfragen ließ. Ich dachte es wäre überall so. In Deutschland ist es aber anders. Ich war in einer kleineren Stadt und konnte mich voll auf Basketball konzentrieren. Was mich reifen ließ.

Erhielten Sie von Ihren Coaches oder von Ihrem Agenten Unterstützung in Griechenland?  

Es gab nicht viel, was andere Leute hätten sagen können. Ich war dort, als die Wirtschaftskrise begann. Es war nicht nur für mich schwierig.

Öffnete der Umzug nach Europa Ihre Augen?  

Ja, es gibt so viel zu lernen von vielen Kulturen. Dinge, von denen ich nichts wusste, als ich in den USA war. Da gibt es nur eine Art. Europa ist vielseitiger.

Moskau, Tel Aviv, Barcelona, München, Vilnius – Sie haben viele Erinnerungen gesammelt. Schöne und schwierige. Was ist Ihr Lieblingsort? 

Tel Aviv, die Unterstützung der Fans, selbst wenn es schlecht läuft. Das wird immer ein besonderer Ort sein, der mich als Spieler und Person akzeptierte.

Zurück zur Runde der letzten 16, wo sie nach dem Rückspiel in Banvit etwas Aussagekräftiges im Interview sagten. Sie erzielten 32 Punkte, begeisterten die Zuschauer mit Behind-the-back Dribblings und spektakulären Pässen in lockerer Manier. Anstatt darüber zu reden sagten sie nur: „Ich bin froh, dass wir gewonnen haben.“ 

Am Ende geht es nur darum. Nicht um die individuelle Leistung. Die Leute sprechen immer mein Spiel für Boston College gegen Carolina an, wo ich 46 Punkte machte. Doch wir haben verloren. Ich wäre mit zehn Punkten und einem Sieg zufriedener gewesen. So gehe ich das Spiel an. Und als direkt die Frage nach dem Spiel kam, sagte ich ‚wir haben gewonnen, das zählt‘. Hätte ich drei Punkte gemacht und zwei Assists verteilt und wir hätten gewonnen, wäre ich genauso glücklich, da wir weiter sind. Individuelle Errungenschaften kommen danach.

In Bamberg erlebten Sie einen Trainerwechsel Mitte der Saison von Ainars Bagatskis zu Federico Perego. Wie nahmen Sie ihn wahr?  

Es war sehr sanft. Fede ist schon lange im Spiel. Er weiß, wie man gewinnt und wie Situationen angegangen werden müssen. Ich bin nicht überrascht, dass wir Erfolg mit ihm haben. Ich bin beeindruckt von seinen Anpassungen sowie seinem Play-Calling, egal in welchem Moment. So lernst du einen Coach kennen und er ist sehr gut in dem was er tut.

Rückblickend auf das letzte Spiel gab es den Moment im vierten Viertel, wo Bamberg wie der sichere Sieger aussah und Banvit zurückkam.

So ist Basketball. Überall. Das Spiel besteht aus Läufen und es spielt keine Rolle, wie heiß du zu Beginn bist, wenn du es nicht durchhalten kannst. Irgendwann hat das andere Team einen Lauf, dann geht es darum, diesen so klein wie möglich zu halten. Also nicht 10:0, sondern 5:2, 7:2. Wir wussten, dass sie nochmal angreifen, vor allem Zuhause. Wir waren also nicht überrascht.

Denken Sie überhaupt schon an das Final Four?

Nein, wir denken vor allem jetzt nur an den nächsten Gegner. Wir wissen, worum es geht und was ansteht. An das Final Four zu denken, wenn AEK wartet, ist nicht richtig.

 

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