„Ich vermisse meinen Frisör“: Nelson Weidemann über die aktuelle Situation, seine Pläne für die Zukunft und warum er auch Formel1-Fahrer hätte werden können

In unregelmäßigen Abständen gibt es auf der Instagram-Seite von MagentaSport Live-Interviews mit Spielern der easyCredit Basketball Bundesliga. Michael Körner stellt dabei aus dem Home Office Fragen, die Jungs – ebenfalls natürlich Zuhause – antworten. Aktuell stand Nelson Weidemann Rede und Antwort. Da nicht jeder einen Instagram-Account hat, gibt es das Interview für euch hier nochmals in schriftlicher Form.

Grüß dich, Nelson! Dein Instagram-Name ist: „I am the real NJ“ – hätte das nicht MJ (Michael Jordan, Anm. d. Red.) heißen sollen?

Nelson: Nein, das liegt daran, dass ich mit zweitem Namen Jeremias heiße. Meine Mama hat mich früher NJ genannt.

Wir reden heute über alles Mögliche. Ich habe dich beim Albert-Schweitzer-Turnier 2016 kennengelernt. Das weiß ich noch, weil wir das kommentiert haben und da hat mir jemand im Vorfeld gesagt: ‚Das ist ein Point Guard, der wird irgendwann komplett durchstarten – ist groß, kann alles, ist schnell, verteidigt.‘ Wenn ich mir jetzt mal anschaue, wer da alles mitgespielt hat: Bennet Hundt, Louis Olinde, Philipp Herkenhoff, Kostja Mushidi, Oscar Leon da Silva und du natürlich. Wenn du dich mit anderen vergleichst: ist es so, wie du dir das vorgestellt hattest, dass du im April 2020 da bist, wo du jetzt bist?

Nelson: Ich hatte tatsächlich mal im Sommer 2015 mit einem ehemaligen Trainer von Alba so einen Plan gemacht, wie es in der Zukunft sein könnte. Nur damit ich etwas habe, woran ich mich orientieren kann – und den Plan habe ich sogar hier in Bamberg. Den Plan habe ich mir jedes Jahr angeschaut und ich habe nicht damit gerechnet, aber ich wusste, dass es in die Richtung gehen kann. Der Plan ist vom 16. Juni 2015. Für 2020 steht da, dass ich in der NBA bin, aber 2019 stand zumindest schon mal BBL-Spieler. Damals stand noch nicht fest, ob ich in Deutschland bleibe oder an ein College gehe. Deswegen gehe ich davon aus, dass ich mich ganz gut an den Plan gehalten habe.

Unabhängig von den zeitlichen Abständen bleibt der Plan also bestehen? Und das Letzte, das dort stand – die NBA – das ist ein Ziel?

Nelson: Je früher das passiert, desto besser ist es natürlich, aber ich muss nicht auf Teufel komm’ raus unbedingt in die NBA. Wenn es auch erst in fünf oder sechs Jahren sein sollte, dann bin ich damit auch zufrieden. Hauptsache ich schaffe es irgendwann.

Das hat sich ja bei euch jüngeren Leuten sowieso ein bisschen verschoben, nachdem ihr gesehen habt, dass Leute wie Daniel Theis oder Maximilian Kleber den Schritt auch erst mit 24 oder 25 gemacht haben und vorher eine wichtige Rolle in ihren Vereinen gespielt haben.

Nelson: Auf jeden Fall. Was sie gezeigt haben, ist, dass es einen machbaren Weg auch ohne den Draft gibt. Früher hat man gesagt, der einfachste Weg in die NBA ist über den Draft und alles andere danach ist ziemlich schwer. Aber ich finde, dass gerade Spieler wie die beiden zeigen, dass der Weg auf jeden Fall auch über Europa machbar ist. Sie sind wegweisende Vorbilder.

Bevor wir über die aktuelle Pause sprechen: Wie hat dir deine Zeit bisher in Bamberg gefallen? Was war gut und was war schlecht?

Nelson: Gut war auf jeden Fall, dass ich hier so super aufgenommen wurde. Ich wusste nicht, wie es hier ist, weil ich ja aus München kam. Davor hatte ich ein wenig Respekt, aber ich wurde auf jeden Fall so unglaublich gut aufgenommen und sehr gut behandelt. Das hat mir wirklich sehr gefallen und geholfen. Für die Chance, die mir Bamberg gegeben hat, bin ich dankbar. Und die schlechten Sachen: viel fällt mir da nicht ein. Klar gab es schwächere Phasen, aber das hat man überall. Bisher ist mein Weg nach und in Bamberg also nur positiv und ich bin echt froh, dass ich den Schritt gemacht habe.

Wie sieht‘s mit der Spielzeit aus? Da wären ein paar mehr Minuten bestimmt nicht schlecht gewesen, oder?

Nelson: Ja, natürlich wäre das nicht schlecht gewesen, aber ich nehme es so, wie es ist. Ich will mich nicht beschweren. Da bin ich der Letzte, der irgendwohin geht und sagt, dass ich mehr spielen muss. Man muss ja auch bedenken, dass ich aus der ProB kam und davor nur drei halbe Spiele in der BBL gemacht habe. Da konnte ich noch nicht wirklich zeigen, ob ich für das Niveau bereit bin. Von daher muss ich dankbar sein, dass mir der Trainer und die Organisation überhaupt dieses Vertrauen geschenkt haben. Das ist schon eine Art von Experiment. Man kann nicht erwarten, dass ein 20-Jähriger aus der ProB direkt auf dem Niveau spielen kann. Von daher nehme ich jede Minute und jede Sekunde, die ich bekommen kann. Und solange ich meine Chance im Training bekomme und jeden Tag guten Wettkampf habe, kann ich fit bleiben und mich verbessern. Jede Minute, die ich auf dem Feld stehe, ist ein Bonus.

Eine Frage, die hereinkam: wie ist der Schritt aus der ProB in die BBL? Kannst du dich da an deine ersten Eindrücke erinnern?

Nelson: Die ProB war irgendwann so, dass ich sage, die Liga gefällt mir, aber ich kann mich nicht mehr wirklich weiterentwickeln. Dadurch, dass ich in der ProB gut abgeliefert habe, dachte ich, ich werde auch in der BBL leicht performen. Das war meine Einstellung. Ich hatte da viel Selbstvertrauen. Ich kam also ins Training und bin erstmal schön in einem Screen hängengeblieben. Da wusste ich, was es bedeutet, einen richtigen Screen gestellt zu bekommen. Der Schritt ist also gigantisch. Von der Physis, vom Niveau und der Intelligenz der Spieler ist es eine andere Dimension, aber man gewöhnt sich schon daran. Auch wenn das bei mir die gesamte Pre-Season lang gedauert hat. Ich habe es am Ende des Tages geschafft.

Die aktuelle Situation: wie gehst du damit um, was machst du und wie hältst du dich fit?

Nelson: Auf den Korb kann ich nicht wirklich werfen. Ich halte mich zuhause fit, weil unser Athletiktrainer super Programme geschickt hat und wir die Chance hatten, Gewichte aus der Trainingshalle mitzunehmen. Es ist aber nicht so, dass das Training wie in einer normalen Saison ist. Selbst wenn die Saison weitergehen sollte, wird es ja auch wieder Vorbereitung geben und von daher nutze ich die Zeit einfach, um eine Grundfitness zu haben. Da kann man nicht sagen, ich will besser werden.

Ich habe noch eine andere Frage von einem Fan: wo siehst du dich in fünf bis zehn Jahren abgesehen von deiner Sportkarriere. Das ist eine schwierig Frage, oder?

Nelson: Ich hoffe, dass ich irgendwann Familienvater werde, Eigentum besitze, aber ich habe mich noch nicht viel damit beschäftigt. Das ist ja eher was für nach der Karriere.

Gibt es da einen Wunsch, zurück nach Berlin zu gehen? Bei Maodo Lô ist das ja so und dort spielt ja auch ein EuroLeague-Team, bei dem du lange gespielt hast. Willst du da nochmal spielen?

Nelson: Erstmal ist es die beste Stadt überhaupt, das steht fest. Aber ansonsten müssen wir mal schauen. Klar hat sich Alba super weiterentwickelt und die Atmosphäre ist wirklich toll. Und auch durch die Dinge, die sie für die Schulen und Freiplätze machen, kommt Basketball immer mehr in der Stadt an. Aber ich weiß nicht, ob ich nochmal dort spielen könnte.

Momentan liegt aber alles auf Eis, was Vertragsgespräche und Ähnliches angeht. Ist deine Situation für die kommende Saison schon klar?

Nelson: Nächste Saison habe ich noch einen Vertrag in Bamberg. Ich wurde ja für zwei Jahre ausgeliehen. Wenn also jetzt nicht eine Riesenüberraschung geschieht, spiele ich auch nächste Saison hier.

Und du bist gerade auch in Bamberg?

Nelson: Ja, jetzt bin ich hier in Bamberg, werde aber vielleicht zu meiner Familie nach Berlin fahren.

Hast du viel Kontakt mit Freunden über Videoanrufe oder solche Dinge? 

Nelson: Es hatten viele Jungs Geburtstag in den vergangenen Tagen, da haben wir gesprochen. Ansonsten spiele ich viel Playstation.

Und da wird dann NBA gespielt?

Nelson: Nein, eigentlich alles außer NBA und FIFA. Solche Dinge wie Call of Duty.

Was vermisst du am meisten abseits vom Sport?

Nelson: Ehrlich gesagt, vermisse ich am meisten, zum Friseur zu gehen. Ich bin ein Mensch, der gerne zum Friseur geht. Ich gehe einmal die Woche zu meiner Friseurin Beate und bin gerne im Laden, rede gerne – das ist einfach entspannt.

Und was ist deine größte Stärke abseits des Feldes?

Nelson: Das ist schwer zu sagen. Ich weiß nur, dass ich ein guter Autofahrer bin. Wenn ich also kein Basketballspieler wäre, wäre ich vielleicht Formel1-Fahrer geworden.

Die letzte Frage, die ich noch habe: wer gewinnt beim Eins-gegen-Eins? Joshua Obiesie oder du?

Nelson: Ich will jetzt keine scharfen Geschütze auffahren, aber die Vergangenheit hat gezeigt, wie das ausgeht. Wir haben ja schon gegeneinander gespielt und jeder, der die Antwort wissen will, der findet das auch heraus.

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