„Ich versuche einfach, mich nicht zu lange aufzuregen“: Louis Olinde über Quarantäne, Pläne und wie er es schafft, auch in dieser Situation immer positiv zu bleiben

In unregelmäßigen Abständen gibt es auf der Instagram-Seite von MagentaSport Live-Interviews mit Spielern der easyCredit Basketball Bundesliga. Michael Körner stellt dabei aus dem Home Office Fragen, die Jungs – ebenfalls natürlich Zuhause – antworten. Aktuell stand Louis Olinde Rede und Antwort. Da nicht jeder einen Instagram-Account hat, gibt es das Interview für euch hier nochmals in schriftlicher Form.

Moin Louis, wo erwischen wir dich denn gerade?

Louis: Ich bin noch in Bamberg.

Heißt das, du willst bald die Stadt wechseln?

Louis: Nein, noch nicht. Ich bin in Bamberg und werde auch erstmal noch ein paar Wochen hierbleiben. Viel kann man in Hamburg ja gerade ohnehin nicht machen. Von daher bin ich hier Zuhause.

Nachträglich noch alles Gute zum Geburtstag: du bist 22 geworden. Das ist wohl das beste Alter für einen Basketballer, um den nächsten Schritt zu gehen. Da kommt das Corona-Virus um die Ecke und die Welt steht still. Ist bei dir alles in Ordnung, obwohl die Karriere auf Eis liegt?

Louis: Danke! Man muss einfach positiv bleiben in dieser Ausnahmesituation. Ich versuche, Zuhause Challenges zu machen, die Zeit zu nutzen und vielleicht das eine oder andere Wehwehchen auszukurieren. Ich will mit Ernst bei der Sache bleiben und auch in dieser Zeit Freude finden.

Brose Bamberg hat gerade erst mitgeteilt, dass die Amerikaner nach Hause reisen. Wie ist denn der Status der Mannschaft und wie ist der Kontakt zum Verein?

Louis: Wir haben eine Rundmail von unserem Geschäftsführer Arne Dirks erhalten. Darin wurde die Situation erklärt und dargestellt, was die Liga aktuell sagt und wie die Trainingssituation ist. Seit eineinhalb Wochen haben wir nicht mehr richtig trainiert und das Trainingscenter ist auch geschlossen. Ansonsten haben wir immer mal wieder geschrieben und auch darüber gesprochen, was unsere Amis machen.

Ihr trainiert als auch nicht mehr individuell?

Louis: Doch. Jeder hält sich selbst fit. Ich finde das auch gut, denn wenn jemand ein Trainingsgerät berührt, dass gerade ein anderer in der Hand hatte und sich dann ins Gesicht fasst, ist die Gefahr ja groß, sich anzustecken. In Bayern hat außerdem ja ohnehin fast alles geschlossen, was keine Apotheke oder ein Supermarkt ist.

Der FC Bayern hatte die Möglichkeit, sich noch in der eigenen Arena fitzuhalten. Du kannst also gerade nicht mal auf einen Korb werfen?

Louis: Nein, weil die Spielplätze und Streetcourts auch abgesperrt sind. Ich mache Zuhause ein Workout, das uns unser Athletiktrainer Sandro zusammengestellt hat. Da geht es um Ausdauer durch Konditionszirkel. Ansonsten verbringe ich den Rest der Zeit mit Netflix oder Playstation-Spielen.

Gerade erst habe ich gehört, dass Netflix seine Bildqualität drosseln will. Flackert der Stream denn schon?

Louis (lacht): Nein, zum Glück noch nicht.

Du hast Challenges angesprochen: Hast du vor, da etwas zu starten?

Louis: Ich habe das Toilettenpapier-Jonglieren gemacht. Das hat zwar rund 20 Versuche lang gedauert, aber dann habe ich es auch zehnmal in Folge geschafft.

Was man nicht alles macht. Verbringst du die Zeit denn eigentlich alleine?

Louis: Ich hatte einen Freund bei mir, der aber auch schon längere Zeit davor hier gewesen ist. Wir waren zu zweit, haben versucht uns fit zu halten, uns viel unterhalten und gestern auch erst Monopoly gespielt. In solchen Zeiten macht man also auch Dinge, die man sonst nicht so oft tut.

Zurück zum Sportlichen: Du hast ja eine richtig gute Saison gespielt und hattest natürlich trotzdem auch Pläne, wie dein nächster Schritt aussehen soll. Ärgert es dich jetzt umso mehr, dass Pause ist. Du hast die Situation zwar noch sehr positiv beschrieben, aber wie denkst du über so etwas?

Louis: Natürlich ärgert einen das, denn man will ja immer spielen und damit das tun, was einem Spaß macht. Das ist schon ziemlicher Mist. Aber wie gesagt, es gilt positiv zu bleiben und auch daraus das Beste zu machen. Es hilft nichts, sich darüber aufzuregen. Ich versuche eben, in Form zu bleiben und die Zeit zu nutzen.

Viele Menschen sagen aktuell, dass es gut tut, auch einmal Zuhause zu bleiben und zu entschleunigen. Kannst du dir auch vorstellen, dass die Situation in zwei oder drei Wochen zu einer psychischen Belastung werden kann?

Louis: Klar, wenn man normalerweise im Sommer aufhört zu spielen, hat man eine lange Saison hinter sich und widmet sich anderen Sachen. Jetzt ist es aber schlagartig von einem auf den anderen Tag anders gekommen. Ich kann mir schon vorstellen, dass es mental schwierig wird – vor allem, weil man ja ansonsten gewohnt war, in der Halle zu sein und zu spielen. Mal sehen, wie das wird.

Man merkt aber, dass du von Natur aus positiv bist, oder?

Louis: Ja, das habe ich wohl von meinem Vater geerbt. Ich versuche einfach, mich nicht zu lange aufzuregen.

Wenn wir die Saison zum jetzigen Zeitpunkt mal Revue passieren lassen, muss man sagen, dass ihr schon eine wilde Fahrt hinter euch habt. Du hast in den vergangenen Jahren ja schon alles mitgemacht: Wie hast du daher eure Situation erlebt? Das Spiel in Würzburg war enorm wichtig. Hast du gespürt, dass damit eine Wende kam?

Louis: Ja, ich glaube schon. Das Spiel gegen Alba war schlimm. Dann haben wir das Ruder aber wieder herumgerissen in Würzburg und ein gutes Spiel mit einem souveränen Ende gezeigt. Natürlich weiß man nicht, wie es anschließend weitergegangen wäre und ich weiß nicht, ob es ‚Klick‘ gemacht hat. Aber das Gefühl war gut und auch das Training im Anschluss war sehr positiv – bis es dann plötzlich hieß, dass alles erstmal vorbei ist.

Die Entwicklung der letzten Jahre war schon enorm. Wie beurteilst du, statt in der EuroLeague aufzulaufen, fortan in der Basketball Champions League zu spielen?

Louis: Es war natürlich ein enormer Schritt, das ist kein Geheimnis. Vor zwei Jahren hätten wir uns sportlich nicht für die EuroLeague qualifiziert und dann war der Plan, in die Champions League zu gehen. Für mich persönlich war das nicht schlecht, denn so habe ich mehr Spielzeit bekommen, wenn ich das mal aus egoistischer Sicht betrachte. Dann auch noch in das Top4 einzuziehen war schon toll. Schließlich ging es dann auch mal darum, das Ding zu gewinnen. In der EuroLeague haben wir hauptsächlich Erfahrung gesammelt. Zwar wollten wir jedes Spiel gewinnen, am Ende des Tages waren die Playoffs aber meistens weit entfernt. Keine Frage: Die Qualität in der EuroLeague ist eine andere, aber man will einfach die Chance haben, Titel zu gewinnen.

Als Außenstehender philosophiert und spekuliert man natürlich, wo du demnächst spielen wirst. Verraten will das natürlich kein Spieler, aber tut sich denn aktuell überhaupt was oder ist der Kontakt zu deinem Agenten abgebrochen?

Louis: Nein, der Kontakt besteht, wir kommunizieren viel und er hält mich auf dem Laufenden. Ansonsten will jeder Verein natürlich erstmal für Ordnung sorgen und kümmert sich um Sponsoren und die möglicherweise entgehenden Eintrittsgelder. Daher liegt alles auf Eis und wir müssen einfach schauen, wie sich alles entwickelt.

Angenommen die Corona-Krise wäre morgen vorbei: Hättest du schon einen Schritt für die kommende Saison geplant? Du bist schließlich einer der begehrtesten jungen Spieler.

Louis: Klar ist, dass mein Vertrag ausläuft und natürlich fragt man sich dann, was Sinn macht. Natürlich kann ich aber auch in Bamberg weitere Schritte in meiner Entwicklung machen. Wenn andere Vereine anfragen, gibt einem das persönlich ein wenig mehr Selbstvertrauen und man freut sich schon. Der Fokus lag in der vergangenen Zeit aber darauf, aus diesem sportlichen Loch herauszukommen, und das kostet erstmal Kraft. Da rücken andere Dinge in den Hintergrund. Wir haben viel mit Bamberg gesprochen, aber auch das ist aktuell erstmal hinten angestellt.

Das Thema NBA ist ja immer wieder präsent. Erkläre doch mal, wie das mit dem Draft überhaupt läuft!

Louis: Es ist so, dass es vier Jahre gibt, in denen man sich zum Draft anmelden kann. Im ersten Jahr war ich 19, jetzt mit 22 Jahren ist es zum letzten Mal möglich. Dadurch bin ich auch automatisch angemeldet. In zweien dieser Jahre kann man sich anmelden und diese Anmeldung später wieder zurückziehen. Im vergangenen Jahr war ich auch schon bei Pre-Draft-Workouts, hatte mich dann aber verletzt. Dieses Jahr bin ich dann eben bis zum Ende angemeldet und wir schauen mal, was da auf mich zukommt. Es wäre schon ein echter Kindheitstraum, seinen eigenen Namen dort zu hören. Allerdings würde das ja auch nicht unbedingt bedeuten, dass ich dann im nächsten Jahr dort spiele. Fälle wie Arnoldas Kulboka zeigen ja, dass man dann auch noch weiter in Europa spielen kann. Auch Daniel Theis oder Maxi Kleber haben noch viel Zeit hier verbracht.

Angenommen du würdest in der kommenden Saison beim schwächsten NBA-Team eine Minute im Schnitt spielen und müsstest auch immer wieder in die G-League oder du hättest die Wahl, bei einem EuroLeague-Team 20 Minuten zu spielen – was würdest du wählen?

Louis: Auf jeden Fall die EuroLeague, denn das ist die zweitbeste Liga der Welt und 20 Minuten wäre schon toll. Auch wenn die NBA natürlich eine super Erfahrung wäre.

Stehst du in diesen komischen Zeiten eigentlich viel in Kontakt mit deinen Eltern?

Louis: Ja, aber nicht mehr als sonst auch. Wir tauschen uns aus, fragen wie es einander geht und ich rede natürlich viel mit meinem Vater. Dessen Arbeit als Inspirationscoach fällt aktuell ja auch erstmal weg und meine Mama wechselt zwischen Home Office und Arbeitsplatz. Mein Bruder setzt aktuell in seinem FSJ aus und ist ebenfalls Zuhause. Wir sind also in Kontakt und versuchen, das umzusetzen, was die Regierung empfiehlt: Kontakt meiden und Daheim bleiben. Aber wie gesagt: Auch dabei gilt es, etwas Positives zu finden und ein wenig Spaß zu haben.

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