Rede Michael Stoscheks zum Saisonabschluss

Nach vielen Jahren des Erfolgs ist nun eine für uns alle ungewöhnliche Situation: so schlimm, wie es Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung, die Süddeutsche Zeitung, geschrieben hat, nämlich, dass die „angebotenen Freigetränke (bei der Abschlussfeier) kaum reichen werden, um sich die Situation schön zu saufen“, ist es sicher nicht, aber Anlass genug für eine nüchterne Analyse unserer Situation.

Natürlich bin auch ich sehr enttäuscht über den ungewohnt schwachen Saisonverlauf mit seinen permanenten und unkalkulierbaren positiven und negativen Phasen.

Dass die Situation uns große Probleme bereiten wird, hat mich allerdings nicht erstaunt. Vielleicht erinnern Sie sich: während sich Fans, Spielerbetreuer und auch unser Management noch bei der letzten Siegesfeier in den Armen lagen, ahnte ich schon das Ende unserer Erfolgsserie durch den bevorstehenden Aderlass: der durch unsere Verträge mögliche Abgang der wichtigsten Spieler, das Ausscheiden des Sportdirektors und der Ersatz eines entnervten Trainers mitten in der Saison.

Dazu kamen nicht glückliche Nachverpflichtungen, zum Teil voraussehbare Ausfälle durch Verletzungen und ständige Leistungsschwankungen einzelner Spieler. Das alles sorgte dafür, dass ein funktionierendes oder gar selbstbewusstes Zusammenspiel eher ein unerwarteter Zufall als das Ergebnis systematischer Vorbereitung war.

Doch nicht nur aus sportlicher Sicht war unsere Saison 2017/2018 enttäuschend, sondern vor allem unter wirtschaftlichen und finanziellen Gesichtspunkten: unsere Führung verfügte über den eindeutig höchsten Etat eines deutschen Basketballclubs. Er wird zu rund zehn Prozent von den Besuchern unserer Spiele finanziert, in erster Linie allerdings von den Sponsoren. Wir alle erwarten für unser Engagement ein positives Image durch sportliche Erfolge und die vorbildliche Haltung der Spieler. Als Unternehmer wünschen wir uns auch ein angemessenes Preis-/Leistungsverhältnis.

Ich habe in den letzten Monaten mehrfach gefordert, den „Reset-Knopf“ zu drücken.

Wir reden also von Neubeginn, von Neuaufbau mit jungen, nach Erfolg hungrigen Spielern und Betreuern bei gleichzeitig reduzierten Kosten und Ausgaben auf dem Niveau der Konkurrenz, die mit vergleichbaren Voraussetzungen arbeiten. Ich betone für den Aufsichtsrat wie für den Sponsor Brose: wir werden dem FC Bayern München Basketball nicht hinterherlaufen! Seine Voraussetzungen für internationalen Erfolg auf Topniveau werden mittel- und langfristig von keinem anderen aktuellen deutschen Basketballclub erreicht.

Wir sollten uns dagegen ALBA BERLIN zum Vorbild nehmen: mit einem im Vergleich zu Bamberg deutliche geringeren Budget spielen sie nach einer längeren Durststrecke mit allerbesten Voraussetzungen heuer um den Titel.

Aus den Erkenntnissen dieser Saison gibt es Handlungsbedarf auf vielen Gebieten: ein wichtiges Beispiel ist die Vertragsgestaltung mit den Spielern, die keine einseitigen Ausstiegsklauseln enthalten dürfen und eine bessere Absicherung gegen gesundheitliche Risiken benötigen. Vor allem darf nicht mehr Geld ausgegeben werden, als zur Verfügung steht. Unsere Geschäftsführung muss die Ausgaben auf allen Gebieten an die neue Situation anpassen: ohne den Erfolgsdruck und die Belastung durch die EuroLeague reduziert sich unser Gesamtetat in Richtung des oberen Durchschnitts der Konkurrenten. Die Gesellschafter der Firma Brose haben zwar eine Reduzierung ihrer bisherigen Leistungen beschlossen, allerdings auf eine Größenordnung, bei der Brose immer noch mit großem Abstand größter Sponsor im deutschen Basketball bleibt.

Eine Neuausrichtung unseres Teams in der kommenden Saison wird durch eine Reihe vertraglicher Altlasten finanziell erschwert, Ich gehe davon aus, dass der gesamte Umbau von Team und Organisation zwei bis drei Jahre Zeit erfordern wird.

Solange müssen wir uns nun gedulden, unsere Ansprüche und Erwartungen realistisch auszurichten und zu akzeptieren, dass attraktiver Sport nicht davon abhängt, ob man ganz oben in der Tabelle steht. Allerdings muss der betriebliche Aufwand in einer vertretbaren Relation zu den sportlichen Zielen und Erfolgen stehen.

Es gibt also viel zu tun und wir als Aufsichtsrat werden Rolf Beyer, dem ich für seinen enormen Einsatz sehr danken möchte, bei der Umsetzung der notwendigen Schritte natürlich konstruktiv unterstützen.

Ihr Michael Stoschek

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