„Mein ganzes Leben dreht sich um Basketball!“

„Brose Bamberg Podcast: Fans fragen – Brose Bamberg antwortet“ heißt es ganz aktuell wieder auf unserem Soundcloud-Kanal. Diesmal stand Sportdirektor Ginas Rutkauskas für eure Fragen bereit. Die hat er auch alle brav beantwortet. Aber natürlich auf englisch. Deshalb gibt es hier nochmals alle Antworten übersetzt. Viel Spaß mit Ginas Rutkauskas…

Beschreibe dich bitte selbst? Wie bist du zum Basketball gekommen?

Mein ganzes Leben drehte und dreht sich nur um Basketball. Als Kind habe ich gespielt. In der Schule habe ich gespielt. In der Universität habe ich gespielt. Nach der Universität habe ich angefangen, im Basketballbusiness zu arbeiten. Das ist es. Alles drehte und dreht sich um Basketball.

 

Wie ist der Kontakt zu Bamberg entstanden?

Es war ungefähr zur selben Zeit, als der frühere Sportdirektor von Brose weggegangen war. Der Verein hat einen neuen Mann für diese Position gesucht. Es gab Gespräche mit Personen, die sich mit der Materie auskennen und da ist immer wieder mein Name gefallen. Ich bin also gefragt worden, ob ich mir den Job vorstellen kann, habe meinen Lebenslauf geschickt und bin zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden.  Das lief gut, es gab ein zweites. Danach hat der Club beschlossen, dass er mich verpflichtet.

 

Gib uns einen Einblick in den Job des Sportdirektors von Brose Bamberg. Wie sieht dein Arbeitstag aus?

Jeder Tag ist sehr unterschiedlich, abhängig davon, ob Spiele sind oder nicht. Aber jeder Tag hat dieselbe Grundlage: die Beantwortung der Frage, wo soll es im nächsten Jahr, in den nächsten Jahren hingehen. Man muss das Gesamte im Blick haben, angefangen von den untersten Jugendmannschaften bis hin zum Profiteam. Natürlich entwickelt sich dann eine Routine. Ich schaue Trainings an, bespreche mich täglich mit dem Head Coach und den Trainern der Nachwuchsmannschaften. Daneben verfolge ich selbstverständlich, was in der Basketballwelt vor sich geht. Ich schaue jeden Abend zwei bis drei Spiele: Dienstag und Mittwoch ist Champions League und Eurocup, Donnerstag und Freitag ist EuroLeague, am Wochenende spielen die nationalen Ligen. Dazu kommen unsere Spiele und die der ProA. Da wir keine eigene Scoutingabteilung haben, obliegt auch dieses Feld mir. Jetzt etwa arbeite ich bereits für nächsten Sommer.

 

Welche Kriterien setzt du an, wenn du einen Spieler scoutest?

Das sind sehr unterschiedliche. Zunächst einmal natürlich, ob der Spieler gut ist oder nicht. Dann, ob er in unser Gehaltsgefüge passt. Sehr wichtig ist die Persönlichkeit, die ein Spieler hat. Um das zu eruieren benötigt man Hilfe von Personen, die die Spieler kennen. Das bedeutet, man braucht ein weltweites Netzwerk, das einem bei der Suche nach dem richtigen Spieler hilft. Aber selbst wenn du alle Informationen gesammelt hast, kann es sein, dass es einfach nicht passt. Meine Erfahrung sagt mir, dass im Durchschnitt ein Neuzugang nicht ins Team passt. Nicht aufgrund von basketballerischen Aspekten, sondern weil er das Land nicht mag, die Kultur, das Essen. Ich hatte einmal einen Spieler, der aus Puerto Rico kam. Der kam mit dem litauischen Wetter nicht zurecht, hatte Probleme, dass die Sonne zu wenig schien. Wir haben uns dann die Hand gegeben und gegenseitig gesagt, mach’s gut.

 

Entscheidest du alleine, ob ein Spieler gescoutet bzw. dann verpflichtet wird?

Nein, das ist Teamwork zwischen den Trainern, dem Staff und anderen, die wissen, was wir benötigen. Wir unterhalten uns täglich über Basketball, über aktuelle Entwicklungen. Was benötigen wir? Was fehlt uns noch? Das sind zumeist kleine Details. Ich habe für jede Position zehn Spieler parat. Wir diskutieren dann alle gemeinsam. Der Spieler muss passen. Wenn wir schon genug Scorer haben, benötigen wir eher jemanden, der verteidigt. Haben wir bereits gute Verteidiger, brauchen wir wahrscheinlich eher jemanden, der punkten kann. Das mache ich Jahr für Jahr aufs Neue.

 

Wie siehst du unsere Mannschaft im Moment?

Momentan sehen wir immer noch nicht das Gesamtbild. Wir hatten bis vor kurzem fünf Verletzte. Ich kann es kaum erwarten, wenn wir einen gesunden Kader haben, wenn alle Spieler im Roster stehen. Dabei muss klar sein, dass Spieler wie Bryce Taylor, der jetzt sein Debüt nach knapp einem Jahr Verletzungszeit hatte, noch mindestens ein, zwei Monate benötigen, um wieder komplett im Wettkampfmodus zu sein. Es wird dauern, bis die Abstimmung zwischen ihm und den Point Guards blind funktioniert.

 

Was antwortest du den Fans, die sagen, wir können nicht verteidigen?

Uns fehlen immer noch Spieler, die gute Verteidiger sind. Wenn Hickman und Taylor wieder komplett zurück sind, wird sich auch unsere Defense verbessern. Wir dürfen im Training nicht nur offensive Systeme durchgehen, sondern müssen auch das Augenmerk auf die Verteidigung legen. Wir müssen noch lernen zu verstehen, dass wir einen neuen Coach haben, einen neuen Assistenten, dazu eine Menge neuer Spieler – es wird noch ein paar Wochen dauern, bevor alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, bevor wir ein Gesamtbild haben werden.

 

Du hast Ricky Hickman erwähnt. Kannst du uns ein paar Sätze zu seinem Gesundheitszustand geben?

Wenn wir aus Prag zurückkommen wird er mit dem Teamtraining beginnen. Während des Nationalmannschaftszeitfensters werden wir dann versuchen, ihn in die Mannschaft zu integrieren.

 

Wie würdest du die Teamchemie beschreiben?

Sie ist exzellent. Im Vergleich zur letzten Saison haben wir uns da enorm verbessert. Coaches untereinander. Spieler untereinander. Coaches mit Spielern. Management mit Coaches und Spielern. Jeder kann mit jedem sehr gut.

 

Wenn du Ainars Bagatskis charakterisieren müsstest, wie würde das ausfallen?

Er ist ein sehr gebildeter Mann, hat zwei Universitätsabschlüsse. Dazu hat er lange Jahre auf hohem Niveau Basketball gespielt. In Lettland ist er eine Legende. Nicht zuletzt aufgrund seiner Verdienste als Bundestrainer. Ainars ist ein Spieler-Trainer. Er lässt sie spielen. Es gibt keine so strengen Regeln. Wenn du Spieler in ein enges Regelkorsett spannst, dann brauchst du dafür die richtigen. Höchstes europäisches Niveau, wie es nur wenige Mannschaften haben: Fenerbahce, CSKA, mit Abstrichen Real. Wir hingegen versuchen etwas „leichter“ zu spielen mit guten Offensivaktionen. Du hast die Verteidigung angesprochen. Da müssen wir uns definitiv verbessern. Daran arbeiten wir aber jeden Tag hart. Momentan sind 50 Prozent des Trainings für Offensiv-, die anderen 50 Prozent für Defensivübungen konzipiert. Ainars ist ein guter Mensch. Wir haben einen sehr guten Coach.

 

Lass uns über Maodo Lô sprechen. Er hat in einem Interview gesagt, dass er eigentlich gerne geblieben wäre, sich aber niemand um ihn bemüht hätte…

Das stimmt nicht! Jeder, angefangen bei mir über den Head Coach und Geschäftsführer bis hin zum Inhaber Michael Stoschek, jeder hat mit ihm gesprochen. Direkt nach Ende der Saison haben wir ihm aufgezeigt, wie wir seine Rolle bei uns sehen. Wir wollten ihn zu einem unserer wichtigsten Spieler der Zukunft machen. Er hat es vorgezogen zu gehen. Ok. Eventuell hat die EuroLeague den Ausschlag gegeben. Oder Geld. Das ist in Ordnung. Es ist aber nicht richtig, dass sich keiner um ihn gekümmert hätte!

 

Wenn du dir irgendeinen Spieler aussuchen könntest, um ihn zu verpflichten, wer wäre das?

Sabonis

 

Warum gerade er?

Ganz einfach: er kann alle Positionen spielen. Überall. Auch in der Kabine.

 

Erzähl uns ein bisschen was über deine Vision für und mit Brose Bamberg. Wo siehst du den Verein in den nächsten Jahren?

Ich sehe uns unter den europäischen Topteams, mit denen wir auf höchstem Level konkurrieren können. Und ich sehe uns in der Vorbereitung auch gegen NBA-Teams spielen. Das ist mein Traum, an den ich fest glaube.

 

Was ist für dich die wichtigste Position im Basketball?

Schwierige Frage. Ich denke, dass man gute Spieler haben muss. Und einen guten Coach.

 

Die komplette Folge 5 gibt es hier.

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