Michael Stoschek im großen Sportbild-Interview

Broses Aufsichtsratschef Michael Stoschek stand der Sportbild Rede und Antwort.

Herr Stoschek, Sie haben als Allein-Gesellschafter von Brose Bamberg sechs Meistertitel in den vergangenen sieben Jahren gefeiert. Jetzt gab es zum Saisonauftakt eine Niederlage in Würzburg. Was lehrt uns das?

Michael Stoschek (69): Das sportliche Niveau in der Basketball Bundesliga steigt jedes Jahr und es wird vor allem in der jetzt anlaufenden Saison schwer für uns, an der Spitze zu bleiben. Nicht nur München hat aufgerüstet, auch Alba und andere Clubs haben sich verstärkt, und wir müssen den Abgang von fünf Leistungsträgern verkraften. Wie schnell sich die neuen Spieler in unser System integrieren, muss man abwarten.

 

Zuletzt gab es eine Art Wettrüsten zwischen Bamberg und München…

Wettrüsten ist der falsche Begriff. Das Brose-Team ist seit einem Jahrzehnt die erfolgreichste Basketballmannschaft in Deutschland und wir wollen diese Position natürlich nicht kampflos aufgeben. Aber es wird natürlich sehr schwer für uns, bei den Mitteln, die München zur Verfügung stehen, mitzuhalten.

 

Bamberg oder Bayern, wer hat denn nun den höheren Etat?

Bis zur vergangenen Saison waren wir auf Augenhöhe bei rund 20 Millionen Euro Gesamtetat. Wir haben in Bamberg nach Abzug der Kosten für die Organisation und Infrastruktur und ein breit angelegtes Jugendprogramm einen bestimmten Etat, aus dem wir den Sportbetrieb finanzieren müssen. Herr Hoeneß sagt mir, er verpflichtet jetzt seine Wunschspieler und kümmert sich wie beim Fußball erst danach um deren Finanzierung. Nun ist das mit dem Hintergrund der großen Fußballsponsoren sicherlich einfacher als für uns, die wir diesen finanziellen und organisatorischen Background nicht haben.

 

Die Bayern behaupten aber, dass kein Geld aus der Fußballabteilung in den Basketball wandert…

Vielleicht nicht direkt, aber beide Sparten haben eine Reihe identischer Sponsoren und die gesamte Infrastruktur in der Säbener Straße kann zur Unterstützung des Basketballprojekts eingesetzt werden.

 

Wie ist Ihr Verhältnis zu Uli Hoeneß?

Wir respektieren uns. Schließlich haben wir das gemeinsame Interesse, den Basketball in Deutschland populärer zu machen und vor allen Dingen medial besser zu vermarkten. Wir beide wollen uns nicht damit abfinden, dass der Fußball den Sport in Deutschland so einseitig dominiert. Auch in Spanien und Italien steht der Fußball an erster Stelle, aber der Abstand zum Basketball ist viel geringer. Die Situation in diesen Ländern sollten sich die Liga und der Verband zum Vorbild nehmen.

 

Machen Siege gegen die Bayern besonders Spaß?

Das ist doch im Fußball genauso. Die Münchner polarisieren nun einmal die Fans und ich kann verstehen, wenn es das Publikum in der beschaulichen Stadt Bamberg genießt, der Weltmarke aus München im Basketball die Grenzen aufzuzeigen. Übrigens fand ich es besonders sportlich, dass der Trainer Aleksandar Djordjevic nach dem 0:3 seines Teams in Bamberg jedem Spieler per Handschlag in der Kabine gratuliert hat. Daran kann sich die Führung ein Beispiel nehmen.

 

Wie sehen Sie auf Dauer die Chancen von Bamberg gegen München?

Wir stehen nun schon seit vielen Jahren an der Spitze im deutschen Basketball und wollen diese Position natürlich möglichst lange aufrechterhalten. Unser Plan ist es, den Einzugsbereich unseres Sports auf die gesamte Metropolregion Nürnberg auszudehnen. Der Gedanke der Metropolregion war ja gerade, ein Gegengewicht zu bilden zu der Konzentration vieler Bereiche in der bayerischen Landeshauptstadt.

 

Zur Metropolregion Nürnberg gehören rund 3,5 Millionen Menschen und es gibt in Nordbayern keine andere Sportart als den Basketball, die auf höchstem europäischen Level wettbewerbsfähig ist. Ich glaube, dass es uns gelingt, das Potenzial dieses Großraums bei Zuschauern, Sponsoren, der Politik und den Medien für unseren Sport zu gewinnen. Basketball ist übrigens ein typischer Universitätssport und in der Metropolregion Nürnberg gibt es 120.000 Studierende. Diese Situation wollen wir viel mehr als bisher nutzen.

 

Welcher Name schwebt Ihnen vor?

Metros ist in den Vereinigten Staaten vielfach die Bezeichnung für ein Basketballteam. Dieser Begriff würde im Zusammenhang mit der neuen regionalen Ausrichtung auch bei uns passen. Natürlich käme auch die frühere Bezeichnung Brose Baskets in Frage, denn sie ist ortsneutral und erleichtert die Identifikation der Menschen außerhalb der Stadt Bamberg für unser Team.

 

Die Brose Arena ist jetzt schon mit 6.500 Zuschauern fast immer ausverkauft. Wo sollen die zusätzlichen Fans hin?

Zu unserer Planung gehört auch der Bau einer neuen Halle mit mindestens 10.000 Plätzen, wie es von der Euroleague für ihre lizenzierten Partner vorgesehen wird. Wir wollen in den nächsten eineinhalb Jahren klären, ob es ein wirtschaftlich tragbares Konzept für zwei große Veranstaltungshallen in Nordbayern gibt. Falls ja, sollte sich ein Investor und Betreiber für eine solche Multifunktionshalle finden lassen.

 

Wo soll die Halle stehen?

Möglichst in Bamberg. Das ist und bleibt der Ursprung unseres Basketballclubs. Außerdem wäre die Platzierung zweier großer Veranstaltungshallen in Nürnberg wieder eine zu starke Konzentration.

 

Stichwort Euroleague: Wie groß sind Ihre europäischen Ambitionen? Noch nie hat es eine deutsche Mannschaft ins Viertelfinale geschafft…

Wir streben mittelfristig eine feste Mitgliedschaft in der Euroleague an. Der aktuelle Zustand ist nicht akzeptabel. Derzeit gibt es elf feste Mitglieder, die Gesellschafter der Euroleague sind. Fünf weitere Teams müssen sich sportlich qualifizieren, haben aber keine Rechte und sind auch nicht an TV- und Sponsoreinnahmen beteiligt. Diese Zwei-Klassen-Gesellschaft ist weder wirtschaftlich, noch sportlich in Ordnung. In vielen engen Spielen wurden wir in der letzten Saison schmerzhaft daran erinnert, wer in der Euroleague die Schiedsrichter aussucht und vergütet.

 

Wie sind die Aussichten auf eine Aufnahme in die Euroleague?

Die Führung dieses Unternehmens plant eine Erweiterung auf 18 oder sogar 20 Mannschaften. Nach meinen Informationen bewirbt sich München um eine Lizenz und schafft mit der neuen Red Bull Arena ab 2021 schon einmal die Voraussetzung einer Halle mit 10.000 Plätzen. Angeblich sollen die weiteren Lizenzen im Rahmen einer Auktion versteigert werden. Was das konkret bedeutet, kann ich momentan nicht beurteilen.

 

Woher rührt eigentlich Ihre Liebe zum Basketball?

Ich finde, Basketball ist die mit Abstand spannendste und interessanteste Ballsportart. Ich wünsche mir sehr, dass eine verkleinerte Bundesliga hochklassigen Sport betreibt, der für die Medien interessant ist und den Clubs die Möglichkeit schafft, in europäischen Wettbewerben anzutreten bzw. Spieler für die Nationalmannschaft abzustellen. Ich meine, unser Sport hat eine größere öffentliche Wahrnehmung verdient, denn fast jeder, der zum ersten Mal ein Spiel live erlebt hat, ist begeistert und fasziniert von der Technik, vom Tempo und der Spannung bis zur letzten Sekunde.

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