Out of Office, der etwas andere Büro-Blog

Geschichte und Geschichten aus dem Teamhotel in München

Schiedsrichter. Menschen. Zwei Worte, die beim ersten Sehen und Lesen konträr wirken. Es aber nicht sind. Denn wirklich: Schiedsrichter sind Menschen. Vielleicht ähnlich wie Mediendirektoren etwas sonderbar und mit einem Hauch Masochismus versehen. Aber Menschen. Das zeigt die aktuelle Zeit ganz gut. Die 13 Unparteiischen, die das komplette Final-Turnier in unterschiedlichen Konstellationen richten, sind nämlich und natürlich auch im Quarantänehotel untergebracht. Und sie mischen sich unters Volk. Beim Frühstück, in der Lobby, beim Abendessen, beim Feierabendbierchen. Wobei, wirklich Feierabend haben sie nie. Noch eine Gemeinsamkeit zwischen Schiedsrichtern und Mediendirektoren. Nein, ernsthaft. Es tut gut und ist sehr sinnvoll, sich auszutauschen. Dazu bleibt im normalen Spielalltag kaum Zeit. Hier schon. Es wird sich zusammengesetzt, es wird geredet, es wird analysiert, es wird auch gestritten. Über Aktuelles, über Vergangenes. Das gehört dazu und macht beide Seiten zugänglicher. Die eine Seite, die der Richtenden, versteht das eine oder andere Verhalten der anderen Seite, die der Gerichteten, anschließend vielleicht besser – und umgekehrt. Ein weiteres großes Plus dieses Turniers. Übrigens, was wenige wissen: wir hatten vor der Saison ein Treffen in unserem Trainingszentrum, damals mit Anne Panther. Sie hat uns eine knappe Stunde über Regelneuerungen informiert und den Spielern auch mitgeteilt, was sie wann wie besser bleiben lassen sollen. Ein toller Service, den wir definitiv auch im Vorfeld der kommenden Spielzeit wieder in Anspruch nehmen werden. 

Zurück ins Hier und Jetzt. Wir haben nach dem Spiel gegen Vechta nun zwei volle Tage frei, ehe es am dritten abends gegen Oldenburg ins erste Viertelfinale geht. Draußen regnet es – lyrisch ausgedrückt – Bindfäden oder englisch eingedeutscht „Katzen und Hunde“. Daher bleibt als Alternative nur das Hotel. Einige Jungs spielen Karten, andere Playstation, wieder andere sind in der „Game Zone“ beim Darten und nochmal andere lesen. Alle aber sind sie mindestens einmal am Tag in Zimmer 566 – dem Massageraum bzw. dem Zimmer, in dem unsere Teamphysios Heiko Pfister und Kilian Flierl das Sagen haben. Dort wird dann geknetet und behandelt, mit kalter Luft, mit Induktion, mit wasweißichnichtnochalles. Und es kann in die Eistonne gegangen werden. Die erfreut sich nämlich, nachdem wir sie ja letzte Woche gekauft haben, reger Beliebtheit. Jordan Crawford ist nahezu täglich drin. Und hält es sagenhafte 15 Minuten aus. Ist er so aus der NBA gewohnt. Andere bleiben maximal fünf bis acht Minuten. Auch das ist anständig lang und vor allem kalt. Aber apropos Jordan. Sein Zimmer hat die Nummer 567. Und es braucht im Massageraum keine Musik. Die kommt nämlich von nebenan. Eigentlich und ehrlicherweise braucht der ganze Flur keine Musik…

Stockwerk fünf des Leonardo Royal ist übrigens das Viertelfinalstockwerk. Wir vom Aufzug aus gesehen rechts. Oldenburg vom Aufzug aus gesehen links. In der Mitte getrennt von den Schiedsrichtern. Eine Seite wird ab Sonntag frei werden. Denn mit Ausscheiden muss das Hotel verlassen werden. Nicht unbedingt am gleichen Tag, aber am nächsten Morgen. Das sagt das Turnier- und Hygienekonzept der Liga. Außerdem, wer will schon in einem Hotel bleiben, wenn er dort schon mindestens zwei Wochen war und nicht mehr länger muss. Oder darf. Richtig, niemand. Und dennoch hätten wir nichts dagegen, wenn die linke Seite frei werden würde… Noch ein Wort zum Hygienekonzept. Das fruchtet. Und wie. Die NBA will es übernehmen. Zumindest Teile davon. Die ACB will es übernehmen. Zumindest Teile davon. Jeder hält sich an die Vorgaben. Also nahezu. Nur die NADA, also die Nationale Anti-Doping Agentur, hatte das mit dieser Aktiv- und Passivzone nicht so verstanden, als sie bei unserem Spiel gegen Frankfurt plötzlich vor uns stand. Wenigstens mit Maske. Aber eigentlich völlig illegal. Der erste „Fremdkontakt“ innerhalb der „getesteten Zone“. Gefährlich. Dass geprüft werden muss – logisch. Das hätte man aber eventuell auch anders lösen können. Oder gar müssen. Die gesamten drei Wochen mit ins Hotel zum Beispiel. So gefährdeten zwei Personen die monatelange Arbeit und das minutiöse Vorhaben einer ganzen Liga.

So viel von hier und jetzt aus dem Hotel. Wie immer gilt: Anregungen, Kritik und Fragen gerne jederzeit an thorsten.vogt(at)brosebamberg(dot)de. Ansonsten schauen wir mal, was die kommenden Tage so bringen – und welche Seite des fünften Stocks ab Sonntagmorgen frei sein wird…

In diesem Sinne, bleibt sportlich.

Thorsten Vogt

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