„Stefan will, dass alles perfekt ist!“ – NBA-Spieler Tomas Satoransky zu Gast in Bamberg

Über Prag, Sevilla und Barcelona in die NBA – ein Traum, den viele Basketballspieler träumen, wurde für den Tschechen Tomas Satoransky Wirklichkeit. Der 28-Jährige arbeitete über die Jahre hart an sich und spielt nun durchschnittlich über 28 Minuten pro Spiel in der besten Basketballliga der Welt. Dass der Chicago Bull nun im Trainingszentrum von Brose Bamberg auftauchte, ist kein Zufall, denn die Entwicklung des Guards steht in enger Verbindung mit einer Schlüsselfigur im Bamberger Basketball.

Stefan Weissenböck arbeitet bereits seit Jahren mit zahlreichen Spielern zusammen, die im Laufe der Zeit den Sprung in die USA geschafft haben und nun tagtäglich gegen Superstars wie Lebron James oder Kevin Durant spielen. So gehört auch Tomas Satoransky zu den Schützlingen Weissenböcks und trainiert regelmäßig mit unserem Head of Player Development. Wir haben mit dem tschechischen Nationalspieler gesprochen.

Tomas, wenn man in einer Saison 24,3 Prozent von der Dreierlinie wirft und im Jahr darauf auf 46,5 Prozent kommt, dann ist das kein Zufall. Wie hast du das angestellt?

Tomas Satoransky: Das ist einer der Gründe, warum ich hier bin. Diese Quoten habe ich in den ersten beiden Jahren meiner NBA-Karriere geworfen. Nach den schwachen Quoten in meiner Rookie-Saison bin ich zum ersten Mal hierher nach Strullendorf gekommen und habe mit Stefan an meinem Wurf gearbeitet.

"Er nimmt sich die Zeit, die ein Spieler braucht."

Das heißt, hier stand auch dieses Mal dein Wurf im Fokus?

Satoransky: Genau! Natürlich muss man viele Wiederholungen absolvieren, damit sich der Wurf verbessert. Mit Stefan arbeite ich aber an den grundlegenden Dingen, die ich ändern muss. Er will, dass alles perfekt ist und nimmt sich die Zeit, die ein Spieler braucht. Das wisst ihr hier ja selbst gut genug. Deswegen arbeite ich so gern mit ihm.

Und warum machst du das in Strullendorf? Es gibt ja sicherlich auch andere Möglichkeiten.

Satoranksy: Mir gefällt es hier sehr gut. Hier kann ich in Ruhe mit Stefan arbeiten. Wenn ich zuhause bin ist immer etwas los, weil dort ja auch meine Familie ist. Außerdem konnte ich jetzt zum ersten Mal die Stadt sehen und die ist wirklich wunderschön. Ich war zwar überrascht, wie viele junge Leute hier schon tagsüber mit einem Bier auf den Brücken sitzen, aber bei so schönem Wetter ist das natürlich perfekt. Bamberg ist absolut empfehlenswert.

"Ich war sehr sauer, aber danach kam der Kontakt wieder zustande."

Und wie lange kennt ihr euch schon?

Satoransky: Das ist eine ganz lustige Geschichte. Stefan meinte, er hat mich zum ersten Mal angesprochen, als ich 14 oder 15 Jahre alt war. Damals musste er aber mit meinem Agenten sprechen, weil ich ja noch so jung war und keine Ahnung hatte. Viele Jahre später (2016, Anm. d. Red.) war dann ein Spiel in Bamberg ausschlaggebend. Wir haben mit Barcelona gegen Bamberg verloren (70:74, d. Red.) und ich habe einige Würfe vergeben. Zuerst war ich sehr sauer, aber danach kam der Kontakt wieder zustande und wir haben angefangen, gemeinsam zu arbeiten.

Jetzt spielst du mittlerweile in der NBA. Bleibt da während der Saison überhaupt Zeit, um mit Stefan an deinem Spiel zu arbeiten?

Satoransky: Kaum. Generell ist es in der NBA schwierig, zwischen den vielen Spielen an Kleinigkeiten zu arbeiten. Wir haben aber ab und an Kontakt per Video oder Telefon. Dabei gibt er mir schon Tipps, aber die wirkliche Arbeit findet in den Sommermonaten statt. Und momentan habe ich auch noch ein wenig mehr Zeit.

Deine Off-Season wird auch einige Monate länger dauern, da du mit den Chicago Bulls nicht an der Fortsetzung der Saison teilnehmen wirst. Wie sieht deine Sommerplanung dann aus? Wirst du nochmal mit Stefan arbeiten?

Satoranksy: Ich hoffe schon, dass wir uns nochmal sehen. Vielleicht kommt er auch nach Prag, wenn er zu seiner Familie nach Österreich fährt – das ist ja nicht so weit weg. Ansonsten muss man das Beste aus der Corona-Zeit machen. Für mich bedeutet das, Zeit mit der Familie zu verbringen und weiter an meinem Spiel arbeiten.

"Das ist uns Spielern extrem wichtig."

Dass du extra für Stefan hierher reist ist nicht selbstverständlich. Was zeichnet ihn als Trainer denn besonders aus?

Satoransky: Er will, dass alles perfekt ist und er liebt das, was er tut. Er liebt Basketball. Diese Leidenschaft hilft sehr und wenn er mit einem Spieler arbeiten will, dann studiert er dessen Spiel detailgenau. Außerdem arbeitet er ständig an seinen Methoden und findet neue Wege, die Spaß machen. Das ist uns Spielern extrem wichtig. Zudem hat er ja tschechische Wurzeln und so haben wir immer etwas zu reden – und im Laufe der Zeit eine Freundschaft aufgebaut.

Wo ihr euch ja so gut versteht – weißt du eigentlich, dass wir in der kommenden Saison noch einen Guard brauchen könnten?

Satoranksy (lacht): Wisst ihr, ich träume davon, nochmal in Spanien zu spielen. Aber ich mag Brose Bamberg als Verein und die Stadt wirklich sehr. Außerdem ist es nah an Prag und naja – wer weiß. Man soll niemals nie sagen!

Alle Nachrichten