Von Absagen, Warnungen und durchgeplanten Tagesabläufen: herzlich willkommen in Athen.

Hallo aus Athen. Mein Name ist Thorsten Vogt, ich bin Mediendirektor bei Brose Bamberg und nehme euch mit auf einen kleinen Blick hinter die Kulissen unserer Reise in die griechische Hauptstadt.

Ein letztes Mal Athen. Zumindest für diese Saison. Nächste kommen wir wieder. Aber für die Spielzeit 2018/2019 war‘s das. Das wusste aber dankenswerterweise das Wetter nicht. Denn anstelle von Regen- und Traurigkeitsstimmung schien die Sonne. Und es war einigermaßen warm. Ein ehemaliger Trainer, just aus diesem Lande, würde (in ansatzweise Lautschrift geschrieben) sagen: „Feinalli sansein!“ Aber wir sind nicht hier, um die Sonne zu genießen. Gut, ich schon ein bisschen. Sorry Chef, natürlich nicht. Arbeiten. Aber in der Sonne. Mit Freddo Cappuccino, dem In-Getränk der Griechen. Das nebenher schlürfend entsteht eben dieser Blog. Ob es der letzte der Saison ist, müssen und werden die Spieler heute Abend entscheiden. Und die Coaches. Also unter anderem Dominik Günthner. Der hat es sich aber natürlich dennoch nicht nehmen lassen und auch für die heutige Ausgabe seine Einleitungsergüsse zu Papier bzw. ins Mailprogramm gebracht…

„Halli, Hallo, Hallöchen ihr Lieben,

in der Nähe des Hotels, in dem wir untergebracht sind, befindet sich der attische zoologische Park. Dort gibt es unter anderem Delfin- und Vogelshows zu sehen. Hätten wir mehr Zeit, würde ich natürlich vorbeischauen und mir die eine oder andere Tiershow gönnen. Beim Stichwort Vogel fällt mir aber ein passendes Sprichwort ein: ‚Eulen nach Athen tragen‘ (γλαῦκας εἰς Ἀθήνας κομίζειν oder γλαῦκ᾿ Ἀθήναζε ἄγειν bzw. ἡγεῖσθαι). Dieses geht auf den antiken griechischen Dichter Aristophanes zurück, der den Ausspruch in seiner satirischen Komödie ‚Die Vögel‘ um 400 v. Chr. prägte. (Nicht zu verwechseln mit dem Bestseller und Blockbuster ‚Die Vögel‘ von Alfred Hitchcock!) Die Redewendung rührt daher, dass es damals in Athen als Symbol der Göttin Athene bereits sehr viele Eulen gab. Funfact für zwischendurch: eine Eule ist auch auf der griechischen 1€ Münze zu sehen.
In eben dieser Komödie ‚Die Vögel‘ geht es darum, dass Vögel mit Hilfe von zwei Athener Exilaten, nämlich Peisthetairos und Euelpides, die Macht ergreifen. Mit Machtergreifungen haben wir Deutschen ja auch so manche Erfahrung gemacht, aber ich schweife ab… Zurück mit dem Kopf nach Griechenland.
Das Werk gilt als Kritik an der damaligen Politik Athens, insbesondere unter Perikles, die sich von einem Primus inter pares im Seebund zu einem Imperium gewandelt hatte und seine Macht gegenüber Bundesgenossen durch Drohungen durchsetzte. Dieser Machtwille führte zum Peloponnesischen Krieg. Eben dieser führte dann zum Niedergang der Hegemonie Griechenlands.
Und nun, liebe Freunde, schließe ich den Kreis: das oben genannte Bündnis war der attische Seebund.

Zurück zu dir ins Studio, Thorsten.“

Danke, Dominik!

Kurztrip nach Athen also. Wirklich kurz. Wir sind nämlich nur knapp 26 Stunden hier. Von Frankfurt aus ging es gestern Abend um kurz vor neun nach Athen, bereits Donnerstagmorgen um kurz nach fünf geht’s wieder zurück. Dazwischen liegen zwei Abendessen, ein Frühstück, ein Snack, eine Trainingseinheit und ein Spiel. Und natürlich ein paar Busfahrten. Sechs um genau zu sein. Zurück geht’s übrigens in zwei Gruppen. Während die Mannschaft nach Frankfurt fliegt, machen sich Elias Harris und meine Wenigkeit auf den Weg nach München. Dort sitzen wir am Donnerstagmorgen um halb elf im Sendestudio von ProSieben MAXX. Also Elias sitzt dort. Gemeinsam mit Alex Schlüter. Der moderiert den „Lockerroom“, DIE deutsche Sportsendung rund um amerikanischen Basketball. Und Elias ist der Experte. Aber nicht nur das, er stellt auch noch ein Projekt mit dem SOS Kinderdorf vor. Ihr dürft also gespannt sein. Ausstrahlung ist übrigens in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 0.05 Uhr.

Apropos Medien. Natürlich, wie es sich für solch ein entscheidendes Spiel gehört, war auch die mediale Aufmerksamkeit im Vorfeld enorm. Alle wollten Nikos Zisis. Egal ob griechische oder deutsche Medien. 21 Anfragen gab es. Kein Wunder, ist es doch sein erstes Spiel gegen AEK seit dem 7. Dezember 2015. Allerdings, im Gegensatz zu sonst, haben wir dieses Mal nahezu alles abgesagt. Die Konzentration gilt voll und ganz der Partie. Daher gab es im Vorfeld lediglich ein einziges Interview. Patrick Heckmann sprach mit Griechenlands größter Basketballwebsite basketa.gr. Wen es interessiert, was er von sich gegeben hat und wer des Griechischen mächtig ist, bitte sehr.

Doch nicht nur im Vorfeld des Spiels war die mediale Resonanz riesig, bereits zuvor gab es zahlreiche Artikel, Filme und Radiosendungen, in denen wir Thema waren. Solltet ihr Zeit, Lust und Laune haben, dann hört gerne einmal bei Bayern3 rein. Da bestritten Louis Olinde und Elias Harris gestern Abend zwei Stunden der Sendung „Mensch Bayern.“ Ab Sonntag gibt’s den Podcast zum Nachhören. MagentaSport hat ein tolles Porträt über Nikos Zisis produziert und DAZN hat einmal aufgezeigt, wie Federico Perego das Schiff Brose Bamberg wieder auf Kurs gebracht hat.

Dort soll es auch bleiben. Auch, wenn wir heute Abend nicht nur gegen eine Mannschaft spielen. Nein, wir spielen auch gegen wahrscheinlich 15.000 Fanatiker. Der bisherige Zuschauerrekord in der Basketball Champions League lag bei 11.650 Fans. Aufgestellt im Achtelfinale zwischen Athen und Thessaloniki. Bereits am Montag war der Rekord Geschichte, waren mehr Tickets verkauft worden. Dabei lassen es meine griechischen Kollegen ganz schön martialisch angehen, sprechen auf der Homepage und in clubeigenen Medien von der „größten Schlacht, die es in den letzten Jahren gegeben hat“. Ilias Kantzouris hat im Vorfeld unseren mitreisenden Fans nahegelegt, nichts Rotes zu tragen. Oder etwas, das sie als Bamberganhänger identifiziert. Wie ich unsere – heute sieben Freaks – aber kenne, lassen sie sich dadurch nicht wirklich abschrecken. Haben sie damals in Belgrad übrigens auch nicht. Zudem mal sehen, ob es nach dem Spiel ähnlich ungemütlich wird, wie bei unserem letzten Auswärtsauftritt. In Bandirma flogen nach der Schlusssirene nämlich Münzen und volle Wasserflaschen…

Der Spieltag selbst ist, natürlich, komplett durchgeplant. Am Abend zuvor gibt es von Teammanager Ivan Djerman eine WhatsApp, in der der genaue Ablauf steht. Dazwischen werden individuell zwischen Spielern und Physios noch Behandlungstermine vereinbart. Die Vorbereitung läuft dabei bei jedem Spieler anders, aber nach gewissen, jahrelang praktizierten Abläufen und Ritualen. Einige schlafen immer, andere duschen jedes Mal vor der Abfahrt, wieder andere telefonieren mit ihren Liebsten, zocken Videospiele oder schauen sich nochmal Szenen der Gegner oder gar ganze Spiele an. Tyrese Rice etwa kennt seine Gegner durch Videostudium nahezu in- und auswendig. Er lässt sich vor den Spielen immer die letzten Partien geben, die er sich dann ansieht und für sich analysiert. Ihr seht, es steckt also viel mehr dahinter, als nur Training und Spiel. Auch Zuhause und im Hotel.

Zum Abschluss noch kurz der Blick in eben dieses. Holiday Inn Athens Attica. Natürlich ein anderes, als beim letzten Spiel hier. Zwar ist der Aberglaube durch Personalrochaden etwas verflogen, aber nicht ganz… es ist das Mannschaftshotel von AEK. Also dem Fußballclub. Die sind vor Spielen immer hier. Eine Übernachtung, Besprechungen, Essen. Heute Abend müssen sie im Pokalhalbfinale ran. Mal sehen, ob wir nach unserem Spiel wieder Autos wegtragen müssen. Das letzte Mal als wir hier waren, spielte zeitgleich AEK gegen Bayern München in der Champions League. Auf unserem Rückweg nach unserem Abendtraining zum Hotel kam unser Bus durch schrägparkende Autos nicht weiter. Kurzerhand stiegen ein paar von uns aus und schoben und trugen Autos hin und her. Anstrengend, aber witzig.

So viel von hier und jetzt. Wie immer gilt: Anregungen, Kritik und was immer ihr sonst noch wissen oder loswerden wollt, gerne jederzeit an thorsten.vogt@brosebamberg.de. Ob, wann und von wo es die nächste Ausgabe geben wird, hängt von zwei Faktoren ab. Einen können wir selbst beeinflussen. Der andere wird beeinflusst. Daher: abwarten und Freddo Cappuccino trinken…

In diesem Sinne, bleibt sportlich.

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