Von alten Bekannten, tropfenden Hallendecken und Handtüchern in Plastiktüten: herzlich willkommen in Bandirma.

Hallo aus Bandirma. Mein Name ist Thorsten Vogt, ich bin Mediendirektor bei Brose Bamberg und nehme euch mit auf einen kleinen Blick hinter die Kulissen unserer Reise in die Türkei.

Der Job macht es möglich, dass man in Städte Europas kommt, die man zuvor nicht wirklich auf der Landkarte gefunden hätte. Bandirma ist so eine Stadt. Türkei. Südlicher Rand des Marmarameeres. 150.000 Einwohner. Eine Industriestadt mit dem Charme einer Industriestadt. Und schwer zu erreichen. Wobei, so schwer ist es eigentlich nicht. Nur lange. 2000 Kilometer. Flug nach Istanbul, von dort aus nochmal gut vier Stunden mit dem Bus. Es gäbe zwar auch eine Fähre. Die fährt aber nur manchmal. Und auch dann nicht immer. Daher Bus. Nicht schön, aber machbar. Anders als noch vor ein paar Jahren. Da nämlich gab es noch nicht die erst vor vier Jahren eingeweihte neue Autobahnbrücke über das Marmarameer. Das heißt, man musste eine Art Küstenstraße fahren. Die gesamten 350 Kilometer. Nicht wirklich gut ausgebaut. Nicht wirklich gut geteert. Ein FIBA-Kollege brauchte damals neun Stunden. Daher muten unsere vier schon gar nicht mehr so schlimm an. Mit im Bus – natürlich – Dominik Günthner…

„Halli, Hallo, Hallöchen ihr Lieben,

herzliche Grüße aus der Hafenstadt Bandirma. Hört man Hafen, kommt einem eigentlich Fisch oder Strand in den Sinn. Aber weit gefehlt, denn Hühner sind es, für die Bandirma in der Türkei bekannt ist. Genauer: Hühnchenfleisch und Eier.
Gerne wird ja behauptet, zuerst war das Huhn da, dann kam das Ei. Eine logische Schlussfolgerung, aber nur auf den ersten Blick. Es war nämlich das Ei, was lange vor dem Huhn existent war. Forschungen zu Folge könnte seine Entwicklung schon vor einer Milliarde Jahren begonnen haben. Allerdings nicht in der Form, wie wir es von unseren heutigen Hühnern kennen. Unsere Hühner stammen nämlich von ‚aufgetakelten Reptilien‘ ab, wie es der englische Naturforscher Thomas Henry (1925-95) so treffend ausdrückte. Die Ahnen unseres braven Haushuhns waren eierlegende und zudem ziemlich gefährliche Raubsaurier. Die Veränderungen im Laufe der Geschichte von den tonnenschweren, zweibeinigen Echsen aus der Linie der Raptoren bis hin zum flugfähigen Huhn von heute, dauert eben seine Zeit. Die Reptilienschuppen tauschten sie dabei schon vor gut 150 Millionen Jahren gegen Federn ein. Lediglich die Schuppen an den Füßen zeugen bis heute von ihren Vorfahren – genau wie das Gelege.
Do or die, wie bei einem Kampf gegen einen echten Raptoren, heißt es dann heute Abend beim Spiel gegen Banvit! Die Halle, in der man vermutlich in Deutschland nichtmal ProB spielen dürfte, wird eng und voll sein.

Zurück zu dir ins Studio, Thorsten.“

Danke, Dominik!

Zur Halle komme ich auch gleich nochmal… los ging unser Trip bereits am Montag um 15.30 Uhr von unserer Trainingshalle. Über Nürnberg ging es dann straight nach Istanbul. Dort verbrachten wir die Nacht im Hotel. Und hatten Besuch. Wie immer, wenn wir in der türkischen Metropole Halt machen, schaute ein alter Bekannter im Hotel vorbei. Nicolò Melli war da, herzte und freute sich über frisch mitgebrachte Brezen. Richtig gehört. Alle Italiener, egal ob aktuell oder ex, stehen auf Bamberger Salzbrezen. Warum? Keine Ahnung. Aber wann immer ihr Federico Perego etwa eine Freude machen wollt – bringt ihm Salzbrezen mit. Und noch eine positive Nebenerscheinung hatte unsere Nacht in Istanbul. Im Hotel gibt es nämlich einen Frisör. So begab es sich, dass am Dienstmorgen um acht Uhr Ortszeit, also sechs Uhr deutscher Zeit, zwei Physios und ein Individualtrainer auf einem Frisörstuhl saßen und sich Bart und Haare richten ließen. Ja mei, wenn’s schön macht…

Bandirma empfing uns dann mit Regen. Mit viel Regen. Ununterbrochener Regen. Das machte auch der Halle zu schaffen. Die ist prinzipiell kein Schmuckkästchen. Klein. Eng. Heiß. Und nass. Wer von euch erinnert sich noch an das „Drop Four“ in München? Als es in den Audi Dome reinregnete? Same here. Wasser auf dem Parkett. Zumindest am Abend vor dem Spiel. Das hatte zur Folge, dass wir anfangs nur eingeschränkt trainieren konnten. Später dann, beim Fünf gegen Fünf, unser Teammanager Kevin alle paar Minuten mit einem Handtuch den Mittelkreis trocken wischen musste. Mal schauen, wie es beim Spiel ist, ob die türkischen Kollegen das Leck finden. Hilfe von oben dürfen sie wohl eher nicht erwarten. Es soll weiter regnen…

Wo hält man sich bei einem Auswärtstrip am meisten auf? Richtig, im Hotel. Hier in Bandirma heißt das GrandAsya. Fünf Sterne. Also türkische Sterne. Ein Hotel, das wir in früheren Jahren sofort beim Eintritt wieder verlassen hätten. Im Restaurant sind nämlich lilafarbene Tischdecken. Und lila und Italien vertragen sich, wie ich in früheren Blogs schon häufiger geschrieben habe, nicht wirklich. Daher: rein, gesehen, weg. Entweder die Tischdecken oder wir. Aber das war früher. Die neue Generation ist da deutlich entspannter. Daher blieben wir. Und hatten so die Chance, das Zimmer von innen zu sehen. Vorneweg: vollkommen ok. Groß, keine durchgelegenen Matratzen. Ok. Im Bad allerdings fand ich etwas vor, was ich in meiner gesamten bisherigen Hotelkarriere – und die umfasst dank meines Jobs eine ganze Menge an unterschiedlichsten Übernachtungsetablissements – noch nie gesehen habe. Die Handtücher steckten in einer Plastikfolie. Ernsthaft?! Gebt mir gerne Rückmeldung, ob das öfter vorkommt. Ich in jedem Fall war etwas erstaunt, perplex und irritiert. Auch über die Temperatur im Fahrstuhl. Dort herrschten nämlich südländische 28 Grad. Konnte man fühlen und an einer extra Temperaturanzeige ablesen…

Apropos lesen. Vier Stunden Bus einfach, dazu drei Stunden Flug einfach, also doppelt gerechnet gut 14 Stunden hieß es einmal mehr: Zeit totschlagen. Wie immer gibt’s die lesende Buchfraktion, dazu die Film- und Musikjunkies. Ein paar, die arbeiten. Und momentan einen, der lernt. Sandro Bencardino nämlich, unser Athletiktrainer, bereitet sich auf eine weitere Prüfung vor. Was nur wenige wissen: der Mann hat bereits zwei Doktortitel. Ein dritter soll zwar nicht hinzukommen – noch nicht –, aber ein weiterer Master. Daher paukt er momentan in jeder freien Minute, denn die Prüfungen sind Ende März. Der verrückte Italiener – und das ist nur und überaus positiv gemeint – zeigt, wie es gehen kann, wenn man nur verrückt und leidenschaftlich genug ist. Respekt!

So viel von hier und jetzt. Wie immer gilt: Anregungen, Kritik und was immer ihr sonst noch wissen oder loswerden wollt, gerne jederzeit an thorsten.vogt@brosebamberg.de. Ob, wann und von wo es die nächste Ausgabe geben wird, hängt von zwei Faktoren ab. Einen können wir selbst beeinflussen. Der andere wird beeinflusst. Daher: abwarten und türkischen Tee trinken…

In diesem Sinne, bleibt sportlich.

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