Von schweigsamen Busfahrten, neuen Teammitgliedern und absurden Handyverboten: herzlich willkommen in Antwerpen

Hallo aus Antwerpen. Mein Name ist Thorsten Vogt, ich bin Mediendirektor bei Brose Bamberg und nehme euch mit auf einen kleinen Blick hinter die Kulissen unserer Reise in die belgische Hafenstadt.

Antwerpen diesmal. Schön hier. Eine Stadt, in der wir bislang noch nicht waren. Dank des Spielplans gab es auch Zeit, sich ein wenig umzusehen. Wir sind nämlich direkt aus Braunschweig nach Belgien gefahren, hatten daher den Montag etwas Freizeit. Die wurde zum einen für eine kleine Sightseeing-Tour genutzt, aber vor allem auch dafür, um die Wunden zu lecken, die das Spiel bei den Löwen hinterlassen hatte. Dazu aber später mehr, zunächst Dominik Günthner.

 

„Halli, Hallo, Hallöchen ihr Lieben,

 

heute aus dem wunderschönen Belgien, nämlich Antwerpen. Leider muss man sagen, dass wenn immer sich Deutsche in den letzten rund 100 Jahren nach Belgien verirrt haben, dabei wahrlich wenig Gutes herausgekommen ist.

 

Bereits 1905 entwickelte Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen den nach ihm benannten Plan, um mit dem Nordflügel die französischen Befestigungen zu umgehen und das französische Heer im Rücken zu fassen. Nach gründlicher Überarbeitung von Helmuth Johannes Ludwig von Moltke wurde die Umsetzung entsprechender Planungen im Ersten Weltkrieg 1914 versucht, scheiterte jedoch kläglich, weil sich die dem Plan zugrunde liegende politische und militärische Ausgangslage inzwischen weiter zu Ungunsten Deutschlands verändert hatte. Der deutsche Angriff auf das neutrale Belgien, das dem Durchmarsch deutscher Truppen nach Frankreich nicht zugestimmt hatte, war Anlass für den Kriegseintritt Großbritanniens. Wie der Rest ausging sollte uns allen bekannt sein.

 

Auch im zweiten Weltkrieg hatte Belgien unter deutscher Besatzung zu leiden. Antwerpen wurde dabei besonders getroffen, denn nirgendwo sonst auf der Erdoberfläche gibt es einen Flecken, der jemals einem derartigen Trommelfeuer von mehr als zehntausend Raketen ausgesetzt worden ist. Exkurs: die ballistische Boden-Boden-Rakete V2 (Vergeltungswaffe 2) wurde im Deutschen Reich in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde (HVA) auf Usedom ab 1939 unter der Leitung von Wernher von Braun entwickelt und kam im Zweiten Weltkrieg ab 1944 in großer Zahl zum Einsatz. Und eben dieser Wernher von Braun sollte später maßgeblich an der Mondlandung im Jahre 1969 beteiligt sein. Exkurs Ende.

 

Aber zurück in die Gegenwart. Ich spüre hier bei der Bevölkerung keinerlei Groll gegen uns Deutsche. Eigentlich ein recht nettes Völklein, wie es mir so vorkommt.

 

Zurück zu dir ins Studio, Thorsten.“

 

Danke, Dominik!

 

Nach Niederlagen ist Busfahren immer schwierig. Nach solchen Niederlagen wie in Braunschweig ist’s noch schwieriger. Jeder geht damit anders um. Eins ist jedoch bei allen gleich: geredet wird kaum etwas. Die Coaches arbeiten das eben Erlebte gleich nochmal auf. Videos werden gesichtet, Szenen geschnitten. An Schlafen ist nicht zu denken. Auch für die Spieler nicht. Sie machen zwar das, was sie immer im Bus machen, also Filme schauen, Musik hören, aber die Stimmung ist gedrückt. Keiner verliert gerne. Schon gar nicht so. Dennoch: Niederlagen gehören dazu. Besser jetzt und so, als später und überraschend... Die eigentliche Aufarbeitung beginnt am Tag danach. Um kurz vor Mitternacht sind wir in Antwerpen angekommen, zwölf Stunden später stand die erste Videosession auf dem Programm. Eine zweite folgte am Nachmittag, am Abend ein Regenerationstraining. Das Gute am internationalen Wettbewerb: es bleibt nicht lange Zeit zum Nachdenken. Spiel reiht sich an Spiel. Erfahrung an Erfahrung. Anders als noch direkt nach der Partie in Braunschweig wird am Tag darauf viel geredet. Im kompletten Mannschaftsverbund. Die Trainer mit Ausgewählten in Einzelgesprächen.

 

Apropos Trainer. Weil immer wieder die Frage aufkommt, was die eigentlich alle so treiben… Wir haben einen Head Coach. Ainars Bagatskis hat die Gesamtverantwortung. Sein erster Assistent und seine rechte Hand während der Spiele ist Marcelo Nicola. Federico Perego und Dominik Günthner sind die weiteren Assistant Coaches. Dabei kommt ihnen neben der gemeinsamen Trainingsvorbereitung und -gestaltung auch die Videoanalyse zu. Perego kümmert sich hier um die Vor- und Nachbereitung der nationalen Spiele, Günthner ist für die internationalen Auftritte zuständig. Beide übernehmen auch die Aufwärmphasen vor den Spielen. In enger Absprache mit dem vierköpfigen Trainerteam arbeiten Sandro Bencardino und Stefan Weissenböck. Bencardino kümmert sich um die Athletik der Spieler, ist für das Aufwärm- und Regenerations- und – bei Verletzten – Rehabilitationsprogramm verantwortlich. Stefan Weissenböcks Aufgabe ist das Training der individuellen Skills. Er steht vor jeder Trainingseinheit mit einer kleinen Anzahl an Spielern in der Halle, um individuelle Techniken zu erarbeiten und zu verfeinern.

 

Neu im Team diese Saison haben wir zwei Physiotherapeuten, die Heiko Pfister bei der täglichen Arbeit unterstützen und auch für die Bertreuung der ProA und Nachwuchsmannschaften mit Sorge tragen. Kilian Flierl ist dabei ein „alter Hase“, war auch in den letzten Jahren immer wieder mit dabei. Seit dieser Saison steht er uns nun vollständig und nur zur Verfügung. Herzlich willkommen, Kili. Dann wäre da noch Vincent Schorn. Ja, genau, der Vincent Schorn. Kickbox-Weltmeister. Also früher, damals, 2013. Aber immer noch aktiv und erfolgreich. Und jetzt bei uns fürs Kneten, Tapen und Versorgen zuständig. Auch dir ein herzliches „Hallo“. Und ja, es ist nach wie vor so, die Physios haben die besten, zumindest aber die größten Zimmer. Schließlich muss mindestens eine Massageliege, von denen wir übrigens immer und überall hin zwei Stück mitnehmen, Platz finden. Auch hier im Crowne Plaza Antwerp. Hier aber kommt noch dazu, dass man aus dem 11. Stock eine tolle Aussicht auf die Stadt hat. Massage und Sightseeing also in einem. Andere zahlen dafür viel Geld, unsere Spieler bekommen’s umsonst…

 

Zu guter Letzt noch der Blick in die Halle. Lotto Arena. 5.218 Menschen finden hier Platz. Und dürfen kein Handy benutzen. Zumindest, wenn man den Schildern glauben darf. Alleine durch das Foto, das ich vom Handyverbot mit dem Handy gemacht habe, habe ich mich schuldig gemacht. Sorry dafür. Aber sei’s drum. Ich gehe stark davon aus, dass auch dieses Symbolschild nur ein Symbol ist. Ähnlich den „Rauchen verboten“-Schildern in Belgrad oder Athen. Daran hält sich ja schließlich auch keiner…

 

So viel von Dominik und mir aus Antwerpen. Besten Dank fürs Bishierhindurchhalten und wie immer gilt: Anregungen, Kritik und was immer ihr sonst noch wissen oder loswerden wollt, gerne jederzeit an thorsten.vogt@brosebamberg.de. Den nächsten Blog gibt’s in genau zwei Wochen aus Prag. Dort nämlich trägt CEZ Nymburk seine Heimspiele aus.

 

In diesem Sinne, bleibt sportlich!

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