Von Spionage, unerwarteten Glücksgefühlen und schlechten Nudeln: herzlich willkommen in Prag

Hallo aus Prag. Mein Name ist Thorsten Vogt, ich bin Mediendirektor bei Brose Bamberg und nehme euch mit auf einen kleinen Blick hinter die Kulissen unserer Reise in die tschechische Hauptstadt.

Endlich. Endlich wieder Europa. Endlich wieder Champions League. Hat ja lange genug gedauert. 165 Tage lagen zwischen unserem letzten Auftritt auf europäischem Parkett und dem heutigen Spiel. Viel ist in der Zwischenzeit passiert. Viel wird noch passieren. Eines aber bleibt gleich. Dominik Günthner ist der Vorwortschreiber. Bitte sehr…

„Halli, Hallo, Hallöchen ihr Lieben,

ein weiteres Mal darf ich aus Prag berichten. Innerhalb nicht einmal eines Jahres verschlägt es mich bereits zum dritten Mal hierher, zweimal geschäftlich und einmal privat. In den 30 Jahren davor war ich exakt kein Mal hier.

Wenn man an Prag denkt, was kommt einem zuerst in den Kopf? Bier trinken, Party machen, Rotlichtbezirk? Weit gefehlt… der Prager Frühling fällt einem natürlich ein.
Gut 51 Jahre ist er her und mit dem Begriff ‚Prager Frühling‘ verbinden sich zwei gegensätzliche Vorgänge: einerseits der Versuch, einen ‚Sozialismus mit menschlichem Antlitz‘ (tschechisch: socialismus s lidskou tváří) zu schaffen, andererseits aber auch die gewaltsame Niederschlagung dieses Versuchs durch am 21. August 1968 einmarschierende Truppen des Warschauer Paktes.
Mit dem Warschauer Pakt kennen wir uns in Deutschland ja auch zur Genüge aus.
Die Universität Bamberg kooperiert übrigens mit der Wirtschaftsuniversität Prag. Dort kann man einen Double-Degree erwerben. Mich als ehemaligen Studenten der Uni Bamberg berührt sowas natürlich immer besonders. ‚Studienzeit – geilste Zeit‘ sag ich da nur! Was mich noch mehr begeistert ist, dass es auch noch in meinem Metier, der Betriebswirtschaftslehre, angeboten wird. Die Absolventen erhalten zwei Abschlüsse: Master of Science in Betriebswirtschaftslehre oder Master of Science in Finance & Accounting aus Bamberg und den Ing. in Finance and Accounting von der Wirtschaftsuniversität in Prag. Fragt mich bitte nicht, was man dann mit diesen Abschlüssen machen kann. Mein Studium ist dann doch schon ein paar Jahre her und das ganze Basketballschauen macht das Hirn doch recht matschig. Eben diesen Fakt darf ich ja jetzt auch schon im dritten Jahr beweisen.

Zurück zu dir ins Studio, Thorsten.“

Danke, Dominik!

Prag also. 350 Kilometer von Zuhause entfernt. Da gibt es Bundesligaspiele, die weiter weg sind. Und dennoch, das besondere Flair eines europäischen Spiels liegt in der Luft. Und war im Vorfeld zu spüren. Nicht umsonst hat die Basketball Champions League viel mehr Social Media Follower als die europäischen Konkurrenzligen. Daher: Medienarbeit stand im Vorfeld im Fokus. Ein Interview hier, ein Video da. Hier die Kampagne für den neuen Ballhersteller, da der Podcast mit dem venezolanischen Radio. Apropos Venezuela. Seitdem wir Mike Carrera haben, sind unsere Social Media Zahlen durch südamerikanische Zuwächse um knapp zehn Prozent nach oben geschnellt. Es gibt Zeitungen, die über jedes Spiel berichten. Eine Website hat eine eigene Rubrik nur über uns und Mike. Und er hat ein eigenes Lied geschrieben bekommen. Einen Rap. Wer ihn noch nicht gehört hat, bitte sehr: King Krone – Michael Carrera

Zurück nach Prag. Wir sind im EA Hotel untergebracht. Ein Hotel solala, mit einem italienischen Chefkoch, der keine Nudeln kochen kann. Dennoch haben wir an das Hotel gute Erinnerungen. Wir alle, da wir bereits letzte Saison hier waren und da bekanntlich gegen Nymburk erfolgreich bestehen konnten. Ich persönlich, da ich Physio Kilian Flierl im Schach besiegt habe. Einer jedoch hatte trotz alledem eher schlechte Gedanken daran. Louis Olinde nämlich verlor beim letzten Besuch seinen Geldbeutel. Trotz mehrmaliger Suche blieb er verschollen. Also der Geldbeutel. Nicht Louis. Der aber meldete ihn als vermisst bzw. gestohlen. Louis hat alle Karten sperren lassen und neue beantragt. Louis hatte die Geschichte ad acta gelegt. Bis gestern Abend. Er durchsuchte einfach nochmal die Sessel, von denen er dachte, dass sein Geldbeutel dort in die Seite gerutscht sein musste und die er bereits beim letzten Besuch mindestens zehn Mal durchsucht hatte. Und nichts gefunden hatte. Bis gestern Abend. Denn, da schau her, er steckte in der Seite eines Sessels. Also der Geldbeutel. Nicht Louis. Genau da steckte er, wo ihn Louis vermutet aber bei drölfzigmal nachsehen nicht gefunden hatte…

Vielleicht hätte Louis den neuen Sponsor Nymburks um Hilfe bitten sollen. ERA ist ein tschechisches Unternehmen, das unter anderem Radar- und Spionagesysteme herstellt. Es arbeitet und produziert für die Regierung, die EU und die NATO. Und ist seit dieser Saison Namensgeber und Hauptsponsor der Nymburker Basketballer. Warum ich das erzähle? In der letzten Woche ploppte eine Geschichte auf, in der es auch um eine Art Spionage ging. In Krasnodar wurde der dortige Gegner Venedig nämlich beim Abschlusstraining gefilmt. Dummerweise haben sich die Videomenschen dabei erwischen lassen. Das ist natürlich doof. Es gilt nämlich das ungeschriebene Gesetz, dass Trainings der gegnerischen Mannschaften geheim sind. Daher ist es Mitarbeitern des Heimclubs nicht erlaubt, während der Einheiten überhaupt in der Halle zu sein. Nun gut, in jeder modernen Arena gibt es Kamerasysteme, die immer und überall draufhalten. Aber kein Club würde überhaupt nur ansatzweise auf die Idee kommen und in der Kameraschaltzentrale jemanden sitzen lassen… Was das mit Bamberg zu tun hat? Aktuell gar nichts, aber schaut doch mal nach, wer in Krasnodar Trainer ist…

Zu guter Letzt: Stefan Weissenböck stand am heutigen Vormittag als Individualcoach für die tschechische U16-Nationalmannschaft auf dem Trainingsparkett. Unser Head of Player Development trainiert ja regelmäßig mit dem tschechischen NBA-Star Tomas Satoransky und nutzte die Gelegenheit – gemeinsam mit Sportdirektor Leo de Rycke übrigens –, um sich die Nachwuchstalente der europäischen Nachbarn einmal genauer anzusehen.

Soviel von hier und jetzt. Besten Dank für die Aufmerksamkeit. Den nächsten Blog gibt’s am 30. Oktober aus Gaziantep. Bis dahin gilt wie immer: Anmerkungen, Wünsche und Kritik gerne jederzeit an thorsten.vogt@brosebamberg.de.

In diesem Sinne, bleibt sportlich.

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